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Craft Beer aus dem Fränkischen Seenland: Seltene Perlen

Craft-Beer ist ja zur Zeit in aller Munde, im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder will die hippen Trendbiere mit den hippen Namen in den hippen Flaschen, und hippe Brauereien sprießen vor allem in den Großstädten wie Pilze aus dem Boden. Aber wie sieht es denn eigentlich mit Craftbeer aus dem Fränkischen Seenland aus? Ich hab mich mal auf die Suche gemacht.

Drei Personen haben mir bei der Suche geholfen: Indirekte Hilfe hatte ich Martin Droschke und Norbert Krines, die den Craft-Beer-Führer Franken geschrieben und veröffentlicht haben. Auf gut 250 Seiten stellen sie die handwerkliche Braukunst im Frankenlande vor und erzählen die ein oder andere spannende Geschichte hinter dem Bier.

Der andere Helfer ist Alexander Welzel, der einen Hopfenhandel hat, glücklicherweise in Ellingen wohnt und dort in der Wintersaison 2016/2017 den Craft Beer Corner eröffnet hat.  Dort treffe ich ihn dann auch zum Fachsimpeln und will gleich mal wissen:

Was genau ist denn eigentlich Craft Beer?

„Das ist gar nicht so leicht“, sagt Alex. „Per Definition heißt Craft Beer ja eigentlich nur: Handwerklich gebraut. Und das machen bei uns eigentlich irgendwie alle.“ Schuld an dieser Definition sind mal wieder die Amis. Sie verstehen eben unter Craft Beer die Erzeugnisse kleiner, regionaler, handwerklicher (Hobby-)Brauereien – in Abgrenzung zu den gigantischen Abfüllanlagen landesweiter Marktführer.

„Aber man bezeichnet als Craft Beer auch andere, besondere Bierstile“, ergänzt der Hopfen-Experte jetzt noch. „Also halt kein Helles oder ein Weizen, sondern etwas, was man sonst nicht so oft kriegt.“

Reinheitsgebot vs. Rosmarin

Allerdings kann man Craft-Biere grob in zwei Kategorien einteilen: Es gibt diejenigen, die streng nach dem Reinheitsgebot gebraut sind und tatsächlich nur Hopfen, Wasser und Malz verwenden. Es ist schier unglaublich, welche verschiedenen Aromen die Braukünstler aus diesen Zutaten zaubern können.

Und dann gibt es noch die Brauer, die mit weiteren Zutaten herumexperimentieren. Das können ganz simple Sachen sein wie etwa Honig, aber Alex zeigt mir auch ein Bier mit Rosmarin von einer Brauerei aus Nürnberg. „Schmeckt des?“, frage ich. Skeptisch. Alex grinst und schüttelt den Kopf. „Mir jedenfalls nicht.“

Und warum finden alle Craft Beer so geil?

Das will ich als nächstes von Alex wissen. „Ich denke, die Leute, die Craft Beer mögen, suchen einfach was Besonderes“, vermutet er. „Und damit spricht man auch Zielgruppen an, die sonst eher kein Bier trinken – Frauen zum Beispiel, oder Weintrinker.“ Kann ich nur bestätigen. Beides. „Und dann ist es natürlich einfach ein Trend momentan, so ein Hipster-Ding“, grinst Alex.

Craft Beer im Fränkischen Seenland: Qualität statt Quantität

„Was für ein Paradoxon!“, wundern sich die Autoren des Craft-Beer-Führers Franken in ihrem Buch. „Dort, wo eine unter Craft-Beer-Komponisten heiß begehrte Zutat wächst, der fränkische Hopfen, muss man die Brauereien des neuen Stils mit der Lupe suchen.“

Das kann Alex nur bestätigen. Kunden aus der Region, die seine teils ausgefallenen Hopfensorten kaufen, hat er wenige – er verschickt seinen Stoff von Ellingen aus eher ins restliche Deutschland und darüber hinaus.

Aber es gibt sie schon auch bei uns, die ungewöhnlichen Biere. Nur macht man hier lange nicht so ein Tamtam darum wie etwa in Berlin. Und außerdem geht hier anscheinend Qualität vor Quantität, findet auch der Craft-Beer-Führer: „Die wenigen, die tief im Süden Hopfen, Malz und Wasser zu flüssigen Kunstwerken verrühren, sind echte Leuchttürme.“

Gemeinsam mit Alex und der fränkischen Craft-Beer-Bibel finde ich dann folgende Leuchttürme:

Der Helle Hans (Spalter Bier)

Ganz frisch auf den Zug aufgesprungen ist die Stadtbrauerei Spalt gemeinsam mit der New Beer Generation. Seit diesem Jahr gibt es den Hellen Hans, ein unfiltriertes, kaltgehopftes Helles. Heißt: Der Hopfen kommt nicht nur beim „Kochen“ hinzu, sondern auch nach der Gärung während der Lagerung. Während der Kalthopfung (auch Hopfenstopfen genannt) kommen weniger Bitterstoffe, aber dafür das volle Hopfenaroma in das Bier. So duftet der Helle Hans dann nach Angabe der Brauerei nach Zitrus, Blumen und Beeren und schmeckt frisch und fruchtig.

Ich finde: Ein Craft Beer aus Spalt – da wurde es allerhöchste Zeit! Der Helle Hans schmeckt sehr hopfig, und wer den Spalter Hopfen mag, wird den Hellen Hans lieben. Eine perfekte Erfrischung für den Feierabend im Biergarten!

Verkauft wird der Helle Hans im HopfenBierGut in Spalt und bei ausgewählten Getränkehändlern im Fränkischen Seenland. Eine Liste gibt es hier.

Herzblut (Pyraser Landbrauerei)

Ich stand im Getränkemarkt, um den Hellen Hans zu kaufen, und war vom Herzblut der Pyraser Landbrauerei sofort fasziniert. Einerseits von der exquisiten Aufmachung in der verkorkten 0,75-Liter-Flasche, andererseits vom Preis. Knapp 13 Euro für eine (zugegeben, etwas größere) Flasche Bier? Holla, die Bierfee. Ich zählte mein Kleingeld ab und war gespannt, ob es sich lohnen würde.

„Unser Herzblut fließt in Braukunst“, lautet das Motto der edlen Craft-Biere aus Pyras, die es schon seit 2012 gibt. Die Idee stammt von der Unternehmensleiterin Marlies Bernreuther. „Eine Herzblut-Spezialität ist für einen ganz besonderen Menschen und ein ganz besonderes Genuss­erlebnis gedacht“, sagt sie.

Foto: Tanja Bolte

Foto: Peter Dörfel

Fünf verschiedene Herzblut-Biere sind seit 2012 entstanden, und ich habe mir dasjenige mit dem mystischen Namen „Götterdämmerung“ ausgesucht. Wenn schon 13 Euro, dann wenigstens für einen Göttertrunk, oder? Auch die Götterdämmerung wird kaltgehopft, und zusätzlich kommt für die Süße ein wenig Honig in das Gebräu.

Ich finde: Ein wirklich feines, aromatisches Bier, das meinen Geschmack voll getroffen hat. Aber der Preis ist halt schon saftig – von daher ist das Herzblut kein Bier, das man mal eben in einer Kneipe trinkt. Die Herzblut-Biere eigenen sich eher als Geschenk oder als Angeber-Aperitif für das perfekte Dinner.

Verkauft werden die Herzblut-Biere über diverse Online-Shops und in vielen Getränkemärkten im Fränkischen Seenland. Eine Übersicht der Verkaufsstellen gibt es hier.

Hechtbräu-Biere

Streng genommen liegt Bernhard Hecht mit seiner kleinen Brauerei in der Grenzregion des Fränkischen Seenlandes, im Pappenheimer Ortsteil Zimmern. Aber weil seine Biere im Seenland weit bekannt sind, wollen wir da mal nicht so sein.

Meine erste Begegnung mit den Hecht-Bieren hatte ich vor zwei Jahren während einer Genuss-Wanderung des Bayerischen Rundfunks auf dem Altmühltal-Panoramaweg. Und ich war sofort hin und weg vom Amberella, einem kaltgehopften Edelbier, das dank australischem Aromahopfen tatsächlich nach Mango duftet.

Auf dem Weißenburger Wochenmarkt, wo Bernhard Hecht jeden Samstag sein Bier unter die Leute bringt, habe ich dann ein Tragerl mit allen Sorten mit nach Hause genommen und sie durchprobiert. Vom „Old Rogg“, das nach eigenen Angaben den höchsten Roggenmalz-Anteil hat, bis hin zum Pappenheimer German Ale: Der Hecht weiß, was er tut.

Ich finde: Tolle, einfallsreiche Biere, die vom Preis-Leistungsverhältnis her auch absolut stimmen. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Bezugsquellen findet ihr hier. Bernhard Hecht ist außerdem auf dem Weißenburger (Samstagvormittag) und Gunzenhäuser Wochenmarkt (Donnerstagvormittag) anzutreffen.

Weitere Craft-Biere (oder so was in der Art)

Die drei genannten Biere bzw. Bier-Linien kann man schon definitiv als Craft-Biere bezeichnen. Daneben gibt es aber im Fränkischen Seenland noch viele weitere Biersorten der hier ansässigen Brauereien, die sich irgendwo im Grenzgebiet zwischen Craft-Beer und „normalem“ Bier aufhalten.

Es sind zum Beispiel die unfiltrierten Kellerbiere, die Weihnachtsböcke, die Kirchweihbiere, oder die hochprozentigen Biere von Schorschbräu, die mehrmals den Weltrekord im Alkoholgehalt stellten. Da ist die Vielfalt wirklich groß. Wie eingangs schon festgestellt: Craft-Beer ist ein dehnbarer Begriff – vor allem in Franken!



 

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