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Müssen Vegetarier im Fränkischen Seenland verhungern?

Schäufeletest hier, Bratwurst-Lobeshymne da… wer diesen Blog liest, kommt ziemlich schnell zu der Erkenntnis, dass sich die Franken irgendwie ziemlich fleischlastig ernähren. Und es stimmt tatsächlich: Die traditionelle fränkische Küche gibt für Vegetarier oder gar Veganer nicht viel her. Gerade jetzt, wo die Biergarten- und Bierkellersaison wieder losgeht, schauen „Pflanzenfresser“ beim Blick in die Speisekarte oft dumm aus der Wäsche. Gibt es überhaupt typische Gerichte aus dem Fränkischen Seenland ohne Fleisch? Eine (wahrhaft schwierige) Suche.

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Die Fränkische Küche wurde nicht gerade für Vegetarier erfunden. Spezialitäten sind Bratwürste in jeglichem Aggregatszustand, Braten, Schäufele, Karpfen, Schlachtschüssel, Räucherwaren, Wildbret, Wurstsalat (immerhin Salat!), … und so weiter.

Das ist ja alles auch wirklich köstlich. Nur gibt es eben Menschen, die aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen kein Fleisch essen. Und überhaupt würde es jedem von uns gut tun, weniger Fleisch zu essen – aus gesundheitlichen, ethischen, ökonomischen und Umweltschutzgründen.

Und eigentlich hat das landwirtschaftlich geprägte Franken ja eine Menge tolle regionale Gemüsesorten zu bieten, etwa Spargel, Wirsing, Kraut, Kohlrabi, Rettich, Wurzel- und Knollengemüse. Und es gibt auch leckere Gerichte mit diesen Zutaten. Allerdings fungieren sie da meist als Beilage, und oft schleicht sich sogar da noch das ein oder andere Fleischstückchen mit rein (Kartoffelsalat mit Speck, Kraut mit Speck).

Wer also als Vegetarier oder gar Veganer im Fränkischen Seenland lebt und dort Urlaub macht, hat von der Regionalküche nicht viel. Traurig, aber wahr. Ich habe lange überlegt und bin nur auf eine Handvoll typischer Gerichte gestoßen, die kein Fleisch enthalten:

  • Radi (Meerrettich, meistens in hauchdünnen Scheiben mit frischem Bauernbrot; gibt es meistens in Biergärten und Bierkellern)
  • G’rupfter (In Oberbayern „Obatzda“, also ein würziger Cammenbert-Aufstrich, meistens auf Bauernbrot oder mit Breze; typisches Biergartengericht)
  • Spargelgerichte (hier könnten Vegetarier Glück haben und fleischlosen Spargelsalat / Spargelauflauf / Spargel mit Sauce Hollandaise finden)
  • Kloß mit Soß (gibt’s eigentlich in jeder fränkischen Gastwirtschaft und ist neben Pommes das beliebteste Kindergericht; allerdings ist die Soße in den allermeisten Fällen eben Bratensoße vom Fleisch)
  • Hopfensprossengerichte: Hopfensprossen, also die jungen Triebe des Hopfens, sind eigentlich eine traditionelle Zutat der fränkischen Küche und überaus lecker (das durfte ich bei einem Hopfen-Kochkurs vergangenes Jahr lernen). Allerdings findet man Gerichte mit Hopfensprossen nur noch selten auf den Speisekarten der hiesigen Restaurants.

Aber jetzt die gute Nachricht: Immer mehr Gastronomen bieten auch einfallsreiche vegetarische Regionalküche an. Viele Gastwirtschaften haben schon eine extra Veggie-Rubrik in der Speisekarte. Darauf befinden sich zwar meistens nur drei bis fünf Gerichte, und lustigerweise werden oft auch Fischgerichte unter dieser Rubrik aufgelistet…

Aber immerhin: Es tut sich was. Man findet vegetarische Bratlinge, bunte Salate, Gratins und Nudelgerichte. Eine Übersicht zu den Restaurants mit vegetarischem Angebot bietet die Website des Tourismusverbands bzw. der Gastroführer, den es dort als Download gibt.  Und natürlich findet man im Fränkischen Seenland auch jede Menge internationale Restaurants – vom Italiener bis zum Inder – die ein großes Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten haben.

Für alle, die gerne zu Hause am Herd mit vegetarischer Fränkischer Küche experimentieren wollen, habe ich jetzt zum Schluss noch einen Buchtipp: „Franken vegetarisch“, das Knoblauchsland-Kochbuch von Marianne J. Voelk. Eine liebe Freundin hat es mir letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt, und ich bin begeistert von den regionalen und fleischlosen Rezeptvorschlägen.

In diesem Sinne: Egal, was ihr esst – lasst’s euch schmecken!

 

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