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Trainieren für’s Schwimmen beim Triathlon, oder: Wenn die Klappe zu groß ist

Der kommende Sonntag ist für mich ein ganz besonderer Tag. Auf diesen Tag hab ich nämlich jetzt fast ein Jahr lang hingearbeitet. Ich habe viel trainiert (und viel Geld ausgegeben), um mich fit zu machen für die 3,8-Kilometer-Schwimmstrecke bei der DATEV Challenge Roth. Und nun werde ich also am Sonntag mit meinem Staffel-Team beim größten Triathlon der Welt antreten. Ich erzähle euch, wie um alles in der Welt ich auf diese Schnapsidee gekommen bin, warum es bei näherer Betrachtung aber eine ganz tolle Idee war, wie mein Training verlaufen ist, und warum ich am Ende sogar hypnotisiert wurde.

Manche Menschen lernen nie dazu. Machen einen Fehler immer zweimal. Nur, um sicher zu gehen. Ich bin zum Beispiel so ein Depp. Hab ganz laut „Hier!“ geschrien, als es drum ging, in einer Staffel beim Seenlandmarathon mitzulaufen – und zwar als absoluter Anti-Läufer. Und trotzdem hab ich schon wieder die Klappe zu weit aufgerissen und mir den Schwimm-Part bei der Challenge-Roth eingebrockt. Knapp vier Kilometer Kraulen im Main-Donau-Kanal.


Die DATEV Challenge Roth ist der größte Langdistanz-Triathlon der Welt. Jährlich nehmen 3.400 Einzelstarter und 1.950 Staffelteilnehmern aus über 60 Nationen an dem Wettkampf teil und absolvieren 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen Marathonlauf (42 Kilometer). Mehrere hunderttausend Zuschauer tummeln sich entlang der Rennstrecken und feuern die Athleten an.


Warum mache ich das eigentlich?

Warum ich ja gesagt habe, lässt sich rückblickend nur noch vage rekonstruieren. Es war wohl eine unüberlegte Mischung aus persönlichem Ehrgeiz, Neugier, der Idee, ich könnte ja darüber bloggen, und der Ansicht, dass ein Jahr Training für das bisschen Schwimmen ja wohl ausreicht. Also haben meine beiden Mitstreiter und ich uns waghalsig im Juli 2016 zur Challenge 2017 angemeldet. Übrigens: Beide sind auch nicht gerade die Top-Athleten (sorry 🙂 ) und haben sich im Nachhinein wohl auch gefragt, warum um alles in der Welt wir da mitmachen.

Immerhin hatte ich ein bisschen Challenge-Erfahrung, da ich 2013 im Team von münchen.tv bei der Schwester-Veranstaltung Tyrol Challenge Walchsee-Kaiserwinkl geschwommen bin. Das war aber nur ein Halbdistanz-Triathlon, sprich, die Schwimmstrecke betrug „nur“ 1,9 Kilometer. Und die hab ich ganz laienhaft mit Brustschwimmen zurückgelegt. Dass ich die 3,8 Kilometer im Main-Donau-Kanal nicht so runterplantschen kann, war mir schnell bewusst – und so musste ein professionelles Schwimmtraining her.

Durch die Tyrol Challenge Walchsee-Kaiserwinkl hab ich immerhin schon etwas Wettkampferfahrung

Feilen an der richtigen Kraultechnik ist unerlässlich

Wie gut, dass wir mit der Pleinfelderin Ute Zenker-Kiehnlein eine Top-Triathletin in der Region haben, die auch noch Kraultechnik-Kurse anbietet. Ab Herbst 2016 hat sie mich unter ihre Fittiche genommen und mir Stück für Stück die richtige Kraultechnik eingebläut. Mit Muskelkraft alleine ist es beim Schwimmen nämlich nicht getan – das Kraulen ist ein hochkomplexer Vorgang, und man kann verdammt viele Fehler machen.

Es fängt an bei der richtigen Wasserlage. Dann geht es weiter mit dem Beinschlag. Der Armzug muss korrekt ausgeführt werden. Dazu kommt noch das Atmen. Und dann alles zusammen. In den ersten Wochen bin ich schier verzweifelt. Wie sollte ich es jemals schaffen, 3.8 Kilometer zu kraulen? Das entspricht 76 50-Meter-Bahnen. Und ich war nach zwei Bahnen schon fix und alle.

Doch irgendwann – ich glaube, es war so im Februar – hat es Klick gemacht. Plötzlich hatte ich die Bewegungen und das Atmen verinnerlicht. Die Bahnen wurden immer mehr, die Atempausen am Beckenrand immer weniger. Ich war schon immer ein kleiner „Wasserratz“, wie man bei uns so schön sagt – aber erst durch das Challenge-Training hab ich festgestellt, dass Schwimmen genau die richtige Sportart für mich ist. Und mittlerweile werde ich zappelig und ungenießbar, wenn ich mal zwei Tage nicht im Wasser war.

Fast schon witzig: Die Schwimmerin und die Angst vor Wasser

Juni 2017. Der Trainingsstand ist gut, ich bin im Freibad schon zweimal meine 76 Bahnen abgeschwommen und weiß, dass ich die 3,8 Kilometer im Kanal schaffen kann. Zwar langsam, aber das Tempo zählt ja jetzt erst mal nicht. Optimistisch starte ich zum ersten Freiwassertraining im Brombachsee… und falle erst mal gehörig auf die Schnauze. Denn das dunkle, trübe Wasser macht mir richtig Angst. So sehr, dass ich beim ersten Freiwassertraining eine ordentliche Panik-Attacke bekomme. Na super.

Natürlich weiß ich, dass mich keine Schlingpflanzen nach unten ziehen. Ich bin ja ka Depp. Und ich weiß auch, dass mich die riesigen Waller, die im See herumschwimmen, nicht bei lebendigem Leibe fressen. Und Wasserleichen gibt es derzeit auch keine im Brombachsee, ich hab extra nachgefragt. Das Problem ist einfach die Wasserlage beim Kraulen. Der Blick ist ständig nach unten gerichtet und nicht, wie beim Brustschwimmen, nach vorne. Dadurch blickt man direkt in den dunklen Abgrund – und das finde ich nicht gerade prickelnd.

So. Drei Wochen vor dem Wettkampf und die Schwimmerin macht sich beim Anblick von Wasser in den Neoprenanzug. Was also tun? „Probier doch mal Hypnose“, rät mir ein ehemaliger Arbeitskollege. Naja, schaden kann’s ja nicht, denk ich mir und vereinbare einen Termin in Ellingen. Nach der einstündigen Sitzung, in der es unter anderem um Elefanten ging, wage ich mich gleich in den See, um den Erfolg (oder Misserfolg) der Last-Minute-Therapie zu testen. Ob es letztendlich die Hypnose war (oder mein das-muss-jetzt-einfach-funktionieren-Wille) weiß ich nicht – jedenfalls ist die panische Angst einem latent mulmigen Gefühl gewichen. Und das ist immerhin schon mal was.

Unterm Strich: Die Challenge ist jetzt schon ein Erfolg für mich

Am Sonntag wird sich also zeigen, ob die unzähligen Trainingsstunden der vergangenen Monate ihre Früchte tragen. Unterm Strich war die Vorbereitung auch nicht gerade günstig: Für Schwimmbad-Eintritte, Material, Trainingsstunden und Hypnose komme ich insgesamt auf eine Summe von rund 1000 Euro. Autsch.

Aber selbst, wenn ich am Sonntag versage (also aufgeben muss oder so langsam bin, dass wir disqualifiziert werden), so hab ich meine persönliche Challenge schon jetzt gewonnen. Denn ich habe mit dem Schwimmen meinen Sport gefunden. Ich habe mich meiner Angst gestellt. Und die paar Kilos, die ich durch das Training verloren hab, möchte ich auch nicht unbedingt wieder haben 🙂

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4 Gedanken zu “Trainieren für’s Schwimmen beim Triathlon, oder: Wenn die Klappe zu groß ist”

  1. Achim Roth sagt:

    Miri, das schaffst du. Wir glauben fest an dich und wünschen dir viel Spass beim Wettkampf.
    LG
    Achim & Anna Roth

  2. Haka Deka sagt:

    Klasse. Es macht einfach Spaß wie ehrlich und offen Miriam hier über ihre Erfahrungen berichtet. Ich drücke dir alle Daumen. HDN

  3. Markus sagt:

    Toll, dass Du es geschafft hast!

    1. Miriam Zöllich sagt:

      Danke 🙂

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