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Die grusligen Seenteufel aus dem Brombachsee

Finstere Gestalten sind 2018 im Fränkischen Seenland aufgetaucht. Gruselige Fratzen, dämonische Augen und furchteinflösende Teufelshörner sind die Kennzeichen der Brombachseer Seenteufel, die als neue Brauchtumsgruppe die Faschingsveranstaltungen der Region aufmischen. Ich hab mal nachgefragt, wie man denn eigentlich eine neue Tradition „erfindet“ – und ein Teil der Antwort liegt viele hundert Jahre zurück…

Im 17. Jahrhundert gab es im Brombachtal noch keinen Brombachsee, sondern zahlreiche Mühlen. Einer der Müller steckte in einer finanziellen Notlage, das Geld reichte hinten und vorne nicht für ihn und seine Familie. Der Sage nach ist ihm nach einem Besuch im Wirtshaus dann auf dem Nachhauseweg der dämonisch aussehende Teufel erschienen und versprach ihm wirtschaftlichen Wohlstand. Als Gegenzug wollte er natürlich etwas haben: Die Seele des Müllers.

Der verzweifelte Mann ließ sich laut der Geschichte darauf ein und zündete seine eigene Mühle an. Doch der erhoffte Reichtum blieb aus. Stattdessen verwandelte sich der Müller in ein furchteinflößendes, teufelsähnliches Monster und soll seither im Brombachtal herumgeistern.

Alte Sage, neue Brauchtumsgruppe

Es sei gar nicht so leicht gewesen, diese Sage zu recherchieren, erzählt Jürgen Hofmann. Aber irgendeinen lokalhistorischen Bezug braucht man ja schon, um eine Brauchtumsgruppe ins Leben zu rufen und eine Tradition quasi neu zu erfinden.

Das ist bei vielen Gruppen im Faschingsbrauch der Fall: Die Woldschebberer und Mönchswaldfüchse aus Mitteleschenbach etwa sind an Sagen und Mythen rund um den nahegelegenen Mönchswald angelehnt (eine Übersicht über die Brauchtumsgruppen im Fränkischen Seenland hab ich letztes Jahr zusammengestellt).

Bis zu 1500 Euro für ein Kostüm

Jürgen Hofmann ist schon lange im fränkischen Fasching aktiv und hatte die Idee für die Brombachseer Seeteufel. Schnell scharte er eine Gruppe potenzieller Seeteufel um sich, und gemeinsam machte man sich an die Arbeit, Kostüme zu entwerfen.

„Wichtig war uns, dass die Gestalten ein teufelsähnliches Aussehen haben“, erzählt Hofmann. „Hörner müssen sie haben, und natürlich eine gruselige Fratze.“ Bei der Kleidung orientierte man sich an der Krampusfigur, sie sollte hauptsächlich aus Naturmaterialien wie Fell oder Leder bestehen, mit Accessoires aus Holz, Horn, Fell oder Federn. Abgesehen von diesen Vorgaben stand jedem Teufel aber die Gestaltung seines Kostüms frei, der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Grenzen zeigten sich dann jedoch schnell in finanzieller Hinsicht: Ein Kostüm mit Holzmaske, Hörnern, Fellkleidung und Accessoires kostet schnell mal 1500 Euro. Ein teurer Spaß und nichts, was man mal eben ausprobiert. Schon allein für die Maske von einem professionellen Maskenschnitzer muss man einiges berappen. Und wer sein Kostüm größtenteils selbst bearbeitet, spart zwar ein wenig Geld, steckt dafür aber Unmengen Zeit in seine Verkleidung.

Ein paar potenzielle Seeteufel ließen sich vom finanziellen Aufwand abschrecken und sprangen ab. Mit einem runden Dutzend Mitgliedern ist die neue Brauchtumsgruppe dennoch gut aufgestellt und hochmotiviert, den Fasching im Fränkischen Seenland aufzumischen.

Wer Lust hat, sich den Seeteufeln anzuschließen, muss übrigens nicht sofort sein Sparschwein plündern und ein Kostüm kaufen. „Ich habe noch ein weiteres Kostüm auf Reserve angefertigt, das man gerne bei mir ausleihen und Seeteufel auf Probe machen kann“, verrät Jürgen Hofmann.


Wer die Brombachseer Seeteufel (und viele weitere tolle Brauchtumsgruppen) in Aktion erleben möchte, hat beim Hummelremmidemmi in Pleinfeld die Gelegenheit dazu. Los geht’s am Sonntag, 28. Januar 2018 um 14.00 rund um den Pleinfelder Marktplatz.


 

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