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Blaualgen und Badewarnung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wir müssen heute mal über ein unschönes Thema reden: Blaualgen. Immer wieder gibt das Gesundheitsamt während der Sommermonate Badewarnungen für einige Seen im Fränkischen Seenland heraus, weil sich dort Blaualgen in hohem Maße vermehren. Das sorgt bei Badegästen und Urlaubern immer wieder für Unsicherheit: Wie gefährlich sind diese Blaualgen denn nun? Kann man überhaupt noch Baden? Worauf muss ich achten? Hier findet ihr die wichtigsten Fragen und Antworten!

Um dem Thema Blaualgen auf den Grund zu gehen, habe ich mir zwei Experten geschnappt. Dr. Dieter Krause ist Biologe beim Wasserwirtschaftsamt in Ansbach, welches für die Gewässer im Fränkische Seenland zuständig ist. Er erklärt zum Beispiel, warum Blaualgen eigentlich weder Algen noch blau sind. Dr. Carl-Heinrich Hinterleitner ist Leiter des Gesundheitsamts beim Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen und beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Gesundheit. Außerdem findet ihr am Ende des Artikels Freizeittipps und Alternativen für den Fall, dass ihr euch gegen das Schwimmen entscheidet.


Der Tourismusverband Fränkisches Seenland kümmert sich auf seinen Internetseiten um die entsprechende Darstellung aller Badestrände. Diese findet ihr auf der Website www.fraenkisches-seenland.de/baden.

Wer gezielt nach Stränden sucht, an denen es keine Blaualgen-Warnung gibt, findet diese unter dem separaten Link. Je nach Mitteilung des Gesundheitsamtes werden die unbedenklichen Strände hier ganz aktuell aufgeführt.


FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Blaualgen

Was genau sind Blaualgen – und warum werden sie so genannt?

Dr. Krause: Eigentlich ist es so: Mit dem Begriff „Blaualgen“ wird eine Gruppe der Bakterien bezeichnet, die wissenschaftlich korrekt Cyanobakterien heißt. Wie der Name schon erkennen lässt, handelt es sich nicht um Algen, sondern um Bakterien, und die sind auch nicht blau gefärbt, sondern kräftig grün mit einem leichten Blaustich.

Es scheint Phasen zu geben, in denen besonders häufig eine Badewarnung wegen Blaualgen ausgesprochen wird. Hat das auch mit dem Wetter zu tun? Aktuell haben wir ja eine lange Hitzeperiode.

Dr. Krause: Es hat vor allem mit dem Wetter zu tun. Der gleiche See kann sich ganz unterschiedlich präsentieren: Nach einem regenreichen Frühjahr und während warmer Sommermonate mit viel Sonnenlicht kommt es verstärkt zur Massenvermehrung von Blaualgen.

Wieso sind im Fränkischen Seenland manche Gewässer mehr betroffen als andere?

Dr. Krause: Die Seen werden zwar – bis auf den Igelsbachsee – alle von der Altmühl gespeist. Aber der Große Brombachsee etwa liegt ja ganz am Ende der Kette, das Wasser durchläuft zuvor noch den Altmühlsee und den Kleinen Brombachsee und viele Nährstoffe werden dort schon verbraucht. Zudem hat der Große Brombachsee das zehnfache Volumen vom Altmühlsee. Und der Altmühlsee ist als Flachsee besonders empfindlich.

Woran erkenne ich denn als Laie die Blaualgen – und wie kann ich sie von sonstigen Wasserpflanzen unterscheiden?

Dr. Krause: Planktonalgen und Cyanobakterien sind mikroskopisch klein und sehr artenreich. Mit welcher Art man es zu tun hat, kann man nur im Labor bestimmen. Mit bloßem Auge erkennbar werden sie erst bei Massenentwicklungen durch die starke Färbung des Wassers, meist ein intensiver Grünton. Bei absterbenden Massenentwicklungen von Blaualgen können aufrahmende Schichten aus toten Zellen entstehen, die ein künstlich wirkendes Türkis annehmen. Im Gegensatz zu den im Wasser schwebenden Planktonorganismen, die man einzeln also weder sieht noch spürt, können Wasserpflanzen und Fadenalgen beim Schwimmen an den Beinen entlangstreifen und sind im klaren Wasser auch deutlich sichtbar, aber völlig harmlos.

Wie regelmäßig wird die Wasserqualität bestimmt und wie läuft das Procedere ab?

Dr. Hitnerleitner: Es gibt zwei Arten von Messungen. Da haben wir einmal die monatliche bakterielle Messung, die von der EU vorgeschrieben ist und von April bis September stattfindet. In dieser Messung überprüfen wir nach der Keimbelastung, etwa mit Fäkalbakterien. Bei der anderen Messung geht es gezielt um die Cyanobakterien, also Blaualgen. Sobald wir vermuten, dass sich Blaualgen bilden – und ein Indikator dafür können die türkis-grünen Fäden im Wasser sein – führen wir einmal wöchentlich Messungen durch. Immer montags fahren die Mitarbeiter die verschiedenen Messstellen an den Seen ab und nehmen eine Wasserprobe. Ein Labor in München untersucht dann die Wasserprobe und misst die Konzentration an Cyanobakterien. Das Ergebnis liegt uns dann in der Regel nach 2 Tagen vor.

Wenn die Konzentration von Cyanobakterien eine bestimmte Grenze überschreitet, was passiert dann?

Dr. Hinterleitner: Beim Auftreten der Blaualgen gibt es drei Abstufungen: „Geringfügig“, „reichlich“ und „massenhaft“. Sobald es „reichlich“ oder „massenhaft“ Cyanobakterien gibt, sprechen wir für die betroffenen Messstellen eine Badewarnung aus und stellen dort Schilder auf.

Wenn am Ufer ein Schild mit einer Badewarnung steht, das Wasser aber unauffällig aussieht – kann man dann Schwimmen gehen?

Dr. Krause: Blaualgen können Toxine bilden, unterschiedliche Stämme können das tun oder auch nicht. Dass Cyanobakterien im Wasser sind, können wir schnell nachweisen; der Toxin-Nachweis im Labor dauert aber ein paar Tage. Die Badewarnung bedeutet also: Es sind Blaualgen im Gewässer vorhanden, und diese können theoretisch toxisch sein. Der Badegast kann dann selbst entscheiden. Wirkliche Gefahr geht von den Cyanobakterien-Toxinen nur aus, wenn man entsprechendes Wasser verschluckt. Das muss dann aber eine sehr große Menge sein oder aber immer wieder passieren, um ernsthafte Folgen zu haben. Bei Kleinkindern und Hunden sollte man aber vorsichtig sein. Hier ist ein Schlucken von Wasser vorprogrammiert. Die Haut von Kindern ist außerdem empfindlicher als die von Erwachsenen, so dass bei Kindern und Allergikern zu einem Hautausschlag kommen kann, wenn das Badegewässer besonders stark mit Cyanobakterien belastet ist.

Dr. Hinterleitner: Dazu kommt noch: Wo genau sich die Blaualgen verdichten, ist unter anderem vom Wind abhängig. Es kann also sein, dass ein Ufer vom See voller grüner Schlieren ist und auf der gegenüberliegenden Uferseite ist das Wasser klar. Weil der Wind innerhalb einer Messperiode natürlich auch mal drehen kann, ist es durchaus möglich, dass wir bei Messungen an einem Ufer eine erhöhte Blaualgen-Konzentration festgestellt haben, diese aber vom Wind in der Zwischenzeit weitergetrieben wurden. Wenn am Ufer also ein Schild mit Badewarnung steht, das Wasser aber klar aussieht, kann man reingehen. Genauso gilt andersherum: Wenn kein Schild aufgestellt ist, das Wasser aber voller grüner Schlieren ist, dann sollte man vielleicht lieber nicht schwimmen. Da muss man auch einfach auf seinen gesunden Menschenverstand vertrauen.

Wieso ändert sich die Blaualgenbelastung wöchentlich? Wie kann es sein, dass es in einer Woche eine Badewarnung gibt und in der nächsten Woche diese wieder aufgehoben wird?

Dr. Hinterleitner: Die Konzentration der Blaualgen ändert sich, weil die Cyanobakterien einen bestimmten Lebenszyklus haben. Sie sind zunächst als grün-bläuliche Fäden im Wasser erkennbar. Dann vermehren sie sich stark und treten an die Wasseroberfläche, wo sie einen grünen Teppich bilden. Das nennt man dann die „Algenblüte“. An der Wasseroberfläche zerfallen die Bakterien und sinken ab, was Badegäste häufig als fauligen Geruch wahrnehmen. Dann ist es zunächst vorbei mit den Blaualgen – doch leider bilden sich im Wasser langsam wieder neue Cyanobakterien.

Auf dem Wasser ist ein grüner Algenteppich, der unangenehm stinkt. Was passiert da gerade?

Dr. Krause: Zum Beispiel können beim Durchzug eines Tiefdruckgebietes nach Schönwetterphasen die zuvor gebildeten Cyanobakterien-Massen absterben und als übelriechender Belag in Buchten angeschwemmt werden. In dieser Phase werden auch besonders viele Toxine aus den absterbenden Zellen freigesetzt. Eigentlich sollte niemand, der das sieht und riecht, auf die Idee kommen, dort zu baden.

Was kann passieren, wenn ich in einem Gewässer mit Blaualgen bade?

Dr. Hinterleitner: Blaualgen sind ja eigentlich keine Algen, sondern Cyanobakterien. Die häufigste Art der Cyanobakterien, die wir finden, sind die sogenannten Microcystis. Diese Bakterien bilden ein Toxin, also ein Gift, das man Microcytin nennt. Dieses Toxin hat zwei Angriffspunkte: Die Haut und den Magen-Darm-Trakt. Empfindliche Menschen können also nach einem Bad Hautirritationen und Ausschläge bekommen. Wer viel Wasser schluckt, kann schon kurz nach dem Bad Erbrechen und Durchfall bekommen. Erwachsene sind hiervon kaum betroffen, weil sie beim Schwimmen in der Regel wenig Wasser schlucken. Bei Kindern geht man aber davon aus, dass sie während einer Stunde im Wasser etwa 100 Milliliter davon schlucken. Und das sollte man vermeiden.

Wie ist es mit Hunden und anderen Tieren?

Dr. Hinterleitner: Hunde und andere Tiere können ebenfalls Beschwerden bekommen, weil sie das Wasser häufig in größeren Mengen trinken. Wenn Tiere das Wasser literweise schlucken, kann es auch zum Tod führen.

Was sollen Badegäste tun, wenn sie nach dem Bad Hautreizungen oder Magen-Darm-Probleme haben?

Dr. Hinterleitner: Gegen Durchfall kann man sich etwa in der Apotheke medizinische Kohle besorgen. Sollte es nicht besser werden, dann sollte man einen Arzt aufsuchen. Gegen Hautreizungen oder einen Ausschlag hilft Salbe vom Arzt.

(Anmerkung: Sinnvoll ist auch, sich nach dem Baden abzuduschen. Die meisten Strände an Brombachsee und Altmühlsee verfügen über öffentliche Strandduschen!)

Gibt es Sofortmaßnahmen, die man gegen die Blaualgen unternehmen kann?

Dr. Krause: Die Blaualgen aus der Wassersäule herauszufiltern ist unmöglich. Kleinere Algenteppiche auf der Wasseroberfläche hingegen könnte man in begrenztem Umfang theoretisch schon versuchen absaugen; das müsste aber technisch erst noch umgesetzt werden.


Freizeit- und Sommerspaß trotz Badewarnung

Ja, eine Badewarnung am Lieblingsstrand ist ärgerlich, aber kein Weltuntergang. „Unser touristisches Gesamtkonzept beruht darauf, dass das Fränkische Seenland mehr zu bieten hat als nur Wasser“, erklärt Hans-Dieter Niederprüm vom Tourismusverband. „Deswegen wird in unserem Claim auch von Fränkisch.Seen.Land gesprochen. Das Baden ist nur ein Teilaspekt des Tourismus in der Region. Ein wichtiger zwar, aber man war sich einig, dass die Bedeutung des Seenlands über den Badebetrieb hinausgeht.“ Auf der Internetseite des Fränkischen Seenlands sowie auf den Social-Media-Kanälen (Facebook und Instagram) finden Einheimische und Urlauber viele Infos rund um die Freizeitgestaltung in der Region.

Freizeit- und Badetipps:

  • Meistens gibt es nur für vereinzelte Strände und auch nur phasenweise eine Blaualgen-Badewarnung. Die aktuellen Informationen hierzu liefert der Tourismusverband auf seiner Website. Der Große Brombachsee hatte bisher noch nie eine Badewarnung; dort ist das Schwimmen jederzeit unbedenklich möglich. Auch am Rothsee steht dem Wasserspaß nichts im Wege, und der Badestrand am Altmühl-Zuleiter in Gern hatte ebenfalls noch kein Blaualgen-Problem.
  • Das Fränkische Seenland verfügt außerdem über zahlreiche Kneippanlagen, Freibäder und Naturfreibäder. Hier gibt es nasse Abfrischung an heißen Tagen!
  • Wie wäre es mit Wassersport auf der Altmühl? Flusswandern mit Kanu, Kajak oder SUP macht ungeheuer Spaß!
  • Wer sich gerne sportlich betätigt, findet ein breit gefächertes Netz an Rad– und Wanderwegen. Viele davon führen auch durch schattige Wälder, in denen es auch im Hochsommer nicht zu heiß ist. Inline-Skater freuen sich auch über den komplett asphaltierten Uferweg rund um den Altmühlsee.
  • Spielen im plätschernden Flusswasser macht Spaß! Das beweist ein Besuch auf dem Abenteuer-Spielplatz am Altmühlsee. Super spannend ist auch eine Wanderung auf dem Spalter Barfuß-Wonnen-Weg am Igelsbachsee.
  • Kultur, Kultur, Kultur! Besucht ein Museum, ein Open-Air-Theater, einen Kunsthandwerkermarkt oder ein Musikfestival.
  • Ab in die Luft! Erkundet das Seenland von oben bei einem Rundflug. Ein Erlebnis, das ihr sicher so schnell nicht vergesst…
  • Abenteuer gefälligst? Dann wagt euch doch mal in den Abenteuerwald-Enderndorf… der Hochseilgarten ist vor allem für die Fly-Line durch die Baumkronen und die Zip-Line über den Igelsbachsee bekannt
  • Nicht zuletzt gibt es natürlich die beiden Passagierschiffe MS Altmühlsee und MS Brombachsee, die nicht nur reguläre Fahrten im Angebot haben, sondern gerade auch in den Sommermonaten zahlreiche Veranstaltungen an Deck organisieren.
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