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Wanderung auf den Spuren von Tannhäuser – kam er wirklich aus dem Fränkischen Seenland?

Blickt man auf die großen Namen der Weltgeschichte, dann fällt auf, dass das Fränkische Seenland nicht so wahnsinnig viel Prominenz beigesteuert hat. Die Berühmtheiten, die hier geboren wurden, sind recht überschaubar. Doch der Tannhäuser, der mittelalterliche Minnesänger, der spätestens durch die Wagner-Oper berühmt wurde, der stammt von hier. Und zwar aus Thannhausen südlich des Brombachsees. Darum gibt es hier auch einen Tannhäuser-Rundweg, wo man auf den Spuren des bekannten Minnesängers wandert. Aber die Sache hat einen ganz kleinen Haken: So richtig bewiesen ist eigentlich nicht, dass der Tannhäuser tatsächlich aus dem fränkischen Thannhausen kam… Also, was stimmt denn nun?

Ich muss euch leider enttäuschen: Die Frage werde ich nicht beantworten können. Wo der berühmte Minnesänger Tannhäuser geboren wurde, darüber streiten sich Historiker seit Jahrzehnten. Denn neben unserem Thannhausen im Fränkischen Seenland gibt es auch noch ein Thannhausen bei Freystadt in der Oberpfalz und für beide Orte gibt es Theorien und Belege, die auf die Herkunft des mittelalterlichen Dichters deuten.

Weil ich hier aber nicht den Anspruch auf die Korrektheit einer wissenschaftlicher Abhandlung erhebe (und zudem noch total voreingenommen heimatverbunden bin), stelle ich euch anhand des Tannhäuser-Rundwanderwegs nun Indizien vor, die dafür sprechen, dass unser Thannhausen im 13. Jahrhundert den prominenten Minnesänger hervorgebracht hat.

Und ganz nebenbei bemerkt: Auch der Dichter Wolfram von Eschenbach hat um 1160-1180 im heutigen Fränkischen Seenland das Licht der Welt erblickt. Vielleicht war die Region im Mittelalter eine Kaderschmiede für schriftstellerische Talente…?

Wir widmen uns jetzt aber mal dem Tannhäuser und dem sieben Kilometer langen Rundweg, der ihm gewidmet ist und zu möglichen Stationen und Spuren seines Lebens führt.

Start: Gasthaus zum Tannhäuser

Wenn man als Einheimischer oder Urlauber zufällig durch Thannhausen fährt oder gar absichtlich dort landet, stößt man nicht sofort unweigerlich auf den prominenten Sohn des Ortes. Keine großen Schilder am Ortseingang, die verkünden: „Hier ist der Minnesänger Tannhäuser geboren!“ Da ist man eher verhalten und das ist angesichts der historischen Unsicherheit auch irgendwie angebracht.

Spätestens in der Ortsmitte jedoch stößt man auf das Gasthaus „Zum Thannhäuser“, dessen Fassade das Bild eines Ritters in der Tracht des Deutschen Ordens ziert. Tannhäuser war nämlich nicht nur fahrender Berufsdichter, sondern auch Deutschordensritter. Vermutlich nahm er – wie so viele Männer im 13. Jahrhundert – an einem Kreuzzug ins Heilige Land teil. Das Gemälde an der Hausfassade ist eine Nachzeichnung aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift „Codex Manesse“, die als das mittelalterliche Standardwerk für Dichtung galt und den Tannhäuser zeigt.

Gasthaus „Zum Thanhäuser“. Links an der Hausfassade ist eine Zeichnung, die den Dichter und Deutschordensritter zeigt

Hier ist auch der Start- und Endpunkt des 7,2 Kilometer langen Tannhäuser Rundwegs. Als historisch gesichert gilt, dass es den Ort Thannhausen zu Lebzeiten des Minnesängers schon gab und das hier auch die Adelsfamilie „von Tannhusen“ lebte. Sie soll ihren Stammsitz auf der Burg Weißenberg gehabt haben, die auf einem Hügel gegenüber des heutigen Dorfs Thannhausen lag (dazu kommen wir gleich noch).

Das Alte Schloss oder: Spuren im Waldboden

Von der Thannhäuser Ortsmitte aus geht es los in Richtung Norden, Richtung Wald und direkt dahinter liegt – von den Blicken allerdings gut verborgen – der Große Brombachsee. Auf dem Weg dorthin passiert man die Ortskirche, und plötzlich sitzt er da, recht unscheinbar auf einem Sockel: Der Tannhäuser. Wie gesagt: Plakativ wirbt man in Thannhausen nicht mit dem vielleicht-ehemaligen Einwohner – aber wenn man genauer hinsieht, begegnet er einem hin und wieder dann doch.

Weiter geht’s nun also über die Staatsstraße und in Richtung Weißenberg. Durch den Wald erklimmt man die Anhöhe und etwa auf der Hälfte des Weges bis zum höchsten Punkt liegt dann das Alte Schloss, in dem die Familie von Tannhusen gelebt haben soll.

Gut. Sind wir ehrlich: Würde dort keine Info-Tafel stehen, würde man an dem „Schloss“ glatt vorbei laufen. Denn recht viel ist von dem Gebäude nicht mehr zu sehen. Eine Zeichnung veranschaulicht den Grundriss, und wenn man dann noch einmal den Blick über den Waldboden schweifen lässt, erkennt man tatsächlich anhand einiger Unebenheiten, dass hier irgend etwas gewesen sein muss.

Der Hund liegt auf einem ehemaligen Wall vom Tannhäusers Schloss

Das Schloss muss sich auf einer Fläche von etwa 50 mal 30 Metern erstreckt haben, die erkennbaren Unebenheiten sind Überreste von Gräben und Wällen. Wie genau die Burg oder das Schloss aussah und ob hier wirklich der Tannhäuser gelebt hat? „Was G’naus weiß ma ned“, sagt der Franke.

Ausblicke, die schon der Tannhäuser genossen hat

Wir lassen das Schloss hinter uns und folgen dem schönen Wanderweg weiter, bis sich der Wald oben auf dem Berg plötzlich lichtet. Die urige Siedlung Regelsberg erscheint, die wir schon auf der fünften Etappe des Seenländers kennengelernt haben.

Von Regelsberg aus hat man eine wunderbare Weitsicht, die auch schon der Tannhäuser genossen haben soll. Gut erkennbar ist zum Beispiel die Festung Wülzburg, die oberhalb von Weißenburg auf einem Hügel thront. Hier soll „Seifried Minner der Tanhuser“ von 1254 bis 1263 im Auftrag des Bayerischen Herzogs tätig gewesen sein, um das damalige Kloster Wülzburg zu schützen.

Weiter führt der Weg nun wieder bergab nach Veitserlbach, wieder überqueren wir die Staatsstraße, und bewegen uns nun über Wiesen und Felder auf unseren Ausgangspunkt Thannhausen zu. Bevor wir aber wieder auf die Ortsmitte stoßen, macht der Weg einen Knick und führt uns bergauf. Von oberhalb des Dorfes, wo übrigens auch der römische Limes verlaufen ist, hat man wiederum einen guten Weitblick in Richtung Nürnberg und zum Schloss Sandsee in der Nähe von Pleinfeld. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Tannhäuser hier vor rund 800 Jahr auch schon gestanden hat?

Hat hier schon der Tannhäuser Richtung Schloss Sandsee geblickt?

Denn: Der Name Sandsee kommt von dem Gebiet zwischen Weißenburg und Nürnberg, das aufgrund der hohen Sandsteinvorkommen auch als „Sand“ bezeichnet wird. Und Tannhäuser schrieb, als er (vermutlich während der Kreuzzüge) im Mittelmeer unterwegs war: „Ach wär‘ ich doch uf dem Sand!“ Ob er einfach seekrank war und sich nach dem Ufer gesehnt hat oder ob er tatsächlich die Gegend um Thannhausen, seine Heimat, gemeint hat? Wir wissen’s nicht, und fragen können wir ihn nicht mehr…

Einkehr im Tannhäuser

Wir werden nicht herausfinden, ob der berühmte Tannhäuser aus der Wagner-Oper im Fränkischen Seenland geboren wurde (als es noch gar kein Seenland war). Der Wanderweg ist jedoch wirklich nett gemacht, und man möchte gerne glauben, dass auch schon der mittelalterliche Minnesänger die Wege und Pfade beschritten hat. Und einen Tannhäuser gibt es ja ganz sicher: Nämlich das Gasthaus und in dem kehren wir dann nach der spätherbstlichen Wanderung auch ein, um uns mit einer deftigen fränkischen Mahlzeit zu stärken.


  • Start- und Endpunkt des 7,2 Kilometer langen Rundwegs: Gasthaus zum Tannhäuser, Ortsmitte Tannhausen (direkt an der Staatsstraße 2222 zwischen Pleinfeld und Gunzenhausen gelegen)
  • Informationen zum Tannhäuser Rundweg kann man hier als PDF herunterladen
  • Einkehr und Übernachtungsmöglichkeit: Gasthaus zum Tannhäuser

 

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