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Kirche von Wolframs-Eschenbach

Unterwegs in literarischer Mission – der Literaturweg Franken in Wolframs-Eschenbach

„Tau tropft mit sprühen, auf die Lyrik morgenmild. Aus jeder Knospe schlüpft im frühen, manch edler Verse Bild“ – so schreibt der Lyriker und Wahl-Wolframs-Eschenbacher Peter Dreyling über den Poetenpfad. Er ist einer von 15 Autoren, die auf dem Literaturweg Franken in Wolframs-Eschenbach mit Leben und Werk vorgestellt werden. Wandern, literarisch weiterbilden, genießen – das ist kurz zusammengefasst der Literaturweg im Fränkischen Seenland. Wir haben einen sonnigen Sonntagsausflug in die Wolframs-Stadt gemacht und uns auf literarische Mission begeben.

Erste Tafel auf dem Literaturweg Franken

Der Literaturweg Franken ist mit seinen 2,2 Kilometern Länge ein gutes Ziel für einen entspannten Ausflug. Der Parkplatz am Unteren Tor ist ein super Ausgangspunkt für den Rundweg. Auf dem barrierefreien Pfad geht es in den Stadtgraben in Richtung Kriegerdenkmal. Dort entdecken wir die erste Tafel. Sie ist Wolfram von Eschenbach, dem Namensgeber der Stadt gewidmet.

Der im 12. Jahrhundert dort geborene von Eschenbach ist der Dichter des Parzival und Verfasser zahlreicher mittelhochdeutscher Epen. Auf dem Literaturweg Franken lesen wir einen Auszug aus einem Taglied, in dem er eine verbotene Liebe beschreibt:

„Ein offeniu süezes wirtes wip, kann solhe minne geben.“ Heißt: „Eine legal geliebte Ehefrau, vermag solche Art Liebe gewähren.“

Türme der Stadtmauer in Wolframs-Eschenbach

Immer an der Stadtmauer entlang geht es weiter. Wir lernen, dass Hans Sachs eigentlich Schuhmachermeister war und dass Johann Peter Utz am liebsten über freie Sinnlichkeit und Lebenslust schrieb.

Nach der dritten Lyrikstation geht es aus dem Stadtgraben heraus über die Straße hin zum Badweiher. Dort ist der Wohnmobilstellplatz von Wolframs-Eschenbach. Vom Badweiher aus hat man einen schönen Blick auf den Stadtkern – wobei unsere Tochter eher an den Enten interessiert ist, die erwartungsfroh schnatternd auf uns zuschwimmen. Der Weg führt uns einmal um den Weiher herum und dann wieder zurück hinunter in den Stadtgraben.

 

Stadtansicht von Wolframs-Eschenbach

Mittelalterliche Kulisse

Die historische Stadtmauer, die im 14. Jahrhundert wappenförmig erbaut wurde als Eschenbach das Stadtrecht bekam, bietet eine perfekte Kulisse für den Literaturweg. Die hohe Stadtmauer ragt imposant in den kalten Märzhimmel.

Stadtmauer in Wolframs-Eschenbach

Die Phantasie unseres Nachwuchses blüht, als wir von Rittern, Pferden und dem Mittelalter erzählen. Neugierig guckt unsere Tochter durch Schießscharten – und hält Ausschau nach dem versprochenen Ritterspielplatz.

„Und frohen Herzens steht er auf,
Und rüstig weiter geht seinen Lauf,
Es klingt sein Lied gar frisch und hell,
Das preist den Baum und rühmt den Quell.“
Auszug aus einem Gedicht von Friedrich Güll

Tafel auf dem Literaturwanderweg Franken

Der Ritterspielplatz lässt nicht lange auf sich warten. Während wir noch einen Auszug aus dem Werk der gebürtigen Pappenheimer Schriftstellerin Sophie Hoechstetter lesen, hat unsere Tochter ihn schon entdeckt. Vorbei an einem Hühner-Freilauf, die den jüngsten Familiennachwuchs begeistern, geht es zum Spielplatz. Der ist der perfekte Ort für eine kleine (oder auch größere) Pause.

Ritterspielplatz in Wolframs-Eschenbach

Klettertürme, Seilbahn, Bachlauf, Rutschen und Sand – hier ist einiges geboten. Für das Kneipp-Becken ist es Anfang März noch zu kalt. Aber wir können – während das Kind spielt – die Tafel über Victor von Scheffel, dem Verfasser des Frankenliedes, in Ruhe lesen. Und wir lernen, dass der eben gar kein Franke war, sondern ihn ein mehrwöchiger Aufenthalt auf Kloster Banz im Sommer 1859 zu seinem Gedicht „Wanderlust“ inspirierte. Erst später wurde es vertont und dann zum „Frankenlied“.

Enten und Aussichtsturm

Enten am Schießweiher in Wolframs-EschenbachNach der Spielpause geht es weiter um den Schießweiher herum. Wir werden wieder von einer Schar Enten begleitet, die offensichtlich hoffen, ein bisschen Brot abzubekommen. Am Weiher steht ein Aussichtsturm, der natürlich sofort erklommen wird. Von oben hat man einen schönen Blick auf Wolframs-Eschenbach.

 


  • 2,2 Kilometer langer, barrierefreier Rundweg
  • Bundesweit erster zertifizierter Qualitätsweg Komfortwandern
  • Frei zugänglich
  • Gut ausgebaute Wege
  • Informationen zum Literaturwanderweg gibt es in einem Flyer und der MiniCard im Rathaus oder Auszüge daraus hier.
  • Wer mehr über die Geschichte der Stadt erfahren will, kann via App auf dem Smartphone eine Lauschtour durch Wolframs-Eschenbach machen.

Spätestens jetzt ist auch unsere Tochter vom Literaturfieber gepackt und will wissen, was auf jeder Tafel steht. Nach Werken unter anderem von Anton Schack und dem anfangs erwähnten Peter Dreyling führt uns der Literaturweg durch das Untere Tor in die historische Altstadt.

Das Museum von Wolframs-Eschenbach

Vor dem dortigen Museum entdecken wir die letzte Tafel. Zwei Gedichte von Gerd Scherm sind der Abschluss der Tour um Wolframs-Eschenbach. Eines davon ist natürlich Wolfram von Eschenbach gewidmet. Hier ein Auszug:

„Minnelied und Ritterspiel
für Applaus und Brot
Mehr Trotz dem Trutz
und mit loderndem Herz“

Wir wandern noch um das Liebfrauenmünster und sehen uns die mittelalterlichen Straßen und Häuser an. Einige der Gebäude sind schön hergerichtet, andere werden es gerade. Im Rathaus gibt es Info-Material zum Literaturwanderweg und zur langen Geschichte der Stadt. Erste Belege für Eschenbach finden sich bereits Mitte des 8. Jahrhunderts.

Die Alte Vogtei in Wolframs-Eschenbach

Die Sonne hat sich mittlerweile verzogen und der kalte Wind treibt uns nach Hause – das Wissen über 15 Autoren und ihre Werke vom Mittelalter bis heute mit im Gepäck.

Das letzte Wort soll in diesem Beitrag aber Wolfram von Eschenbach haben. Ein Auszug aus dem „Parzival“:

„Durch Abenteuer mannigfach,
Hab ich, Wolfram von Eschenbach,
Herrn Parzival zum Ziel begleitet,
Das ihm vom Glücke war bereitet.“


Highlights für Kinder

  • Der Ritterspielplatz – hilft bei der Motivation von lauffaulen Kindern
  • Ritter spielen an der historischen Stadtmauer
  • Geschichten und Gedichte hören
  • Enten füttern an den Weihern

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