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Auf den Spuren der Mühlen – ein Wanderweg über die Geschichte des Brombachsees

Versunkene Mühlen, geflutete Häuser. Was ein bisschen wie bei Atlantis klingt, ist gerade mal 50 Jahre her. 50 Jahre, seit beschlossen wurde, ein Projekt zu realisieren, welches in diesem Ausmaße noch nie da war. 50 Jahre, seit klar wurde, dass Äcker, Wiesen und ganze Höfe einem Freizeit- und Erholungsgebiet weichen müssen. 50 Jahre, seit dem Startschuss für das heutige Fränkische Seenland.

Künstlich angelegtes Paradies

Als wir vor ein paar Jahren an den Brombachsee gezogen sind war uns noch gar nicht so richtig klar was für ein riesiges Mammutprojekt hier stattgefunden hat, damit wir heute gemütlich am Strand sitzen und das Leben genießen können. Dass hier etwas künstlich erschaffen wurde merkt man kaum wenn man die Zehen in den Sand steckt. Fängt man aber an geschichtlich etwas tiefer zu graben, taucht man ein in eine spannende Entstehungsgeschichte über das Fränkisches Seenland. 

Natürlich war die Erschaffung eines Tourismusgebietes nicht der Hauptgrund für die Planung, sondern wasserwirtschaftliche Ausgleichsmaßnahmen. Und um so einen riesigen See zu realisieren musste Platz geschaffen werden. Und hier kommen die Mühlen ins Spiel: Zwölf Mühlen bildeten damals die sogenannte „Mühlstraße“ um den Brombachsee herum. Allesamt nutzten die Wasserkraft um Strom zu erzeugen, Stroh zu mahlen oder Holz zu sägen. Als der Beschluss kam, das Stauseeprojekt in die Tat umzusetzen, wurden die Mühlen aufgekauft und abgerissen.

Die Ziegelhütte war eine Ziegelei und lag südlich von Absberg. Es wird erzählt, dass der letzte Besitzer der Mühle ein Nachfahre des Raubritters Hans Thomas von Absberg war, der im 16. Jahrhundert im Brombachtal sein Unwesen trieb. Fotos aus dem Gemeindearchiv Absberg.

Infozentrum in historischer Mühle

Als Einzige der Mühlen blieb nur die Mandlesmühle verschont, wurde ausgebaut und ist heutiges Infozentrum „Seenland – Wasser für Franken“. Hier kannst du dich noch genauer über die Geschichte und die Entstehung des heutigen Fränkischen Seenlandes informieren.


Die liebe Vera hat der Mandlesmühle einen Besuch abgestattet und wird euch hier am Blog bald mehr darüber berichten.


Der Mühlenweg

Heute erinnert ein kleiner Rundwanderweg rund um die Gemeinde Absberg an die damalige „Mühlstraße“. An verschiedenen Stationen erfährt man auf Informationstafeln die Geschichte der zwölf Mühlen und vor allem auch der Menschen dahinter.  

Ich muss sagen ich war zu Beginn etwas skeptisch was den „Erlebnisfaktor“ für die Kids betrifft, doch am Ende waren wir alle positiv überrascht welche unerwarteten Highlights uns auf dem Weg begegneten.

Der Mühlenweg ist als Rundweg angelegt. Man startet quasi bei Mühle 1 am Rathaus und kann dann der Reihe nach alle Mühlenschilder ablaufen. Da wir uns aber am Ende der Wanderung unbedingt kulinarisch belohnen wollten, haben wir beschlossen den Weg andersherum zu laufen, so dass wir zum Schluss im Café Seerose, am Südhang von Absberg, enden und dort gleich noch einkehren können.

Vorbei an Wiesen und Feldern

Am ausgeschriebenen Aussichtspunkt von Absberg befindet sich ein öffentlicher Parkplatz und gleich unser erstes Mühlenschild. Von hier sind wir dann losgezogen, die Kids mit Rädern und wir Erwachsenen zu Fuß. Auch wenn wir in der zweiten Hälfte des Weges die Räder öfter für kurze Stücke schieben oder tragen mussten, war es eine gute Entscheidung diese mitzunehmen. Die erste Hälfte des Wanderweges führte uns nämlich aus Absberg raus und an geteerten, gut befahrbaren Wegen entlang, wo die Kinder ungestört und ohne Verkehr entlang düsen konnten. Oben am Bauhof angekommen kann man herrlich über Absberg und bis rüber nach Fünfbronn und Stockheim sehen.

Kühe, Eis und geheimnisvolle Keller

Das nächste Stück Weg führt uns an einer mit Obstbäumen gesäumten Straße entlang, mit Blick auf den Igelsbachsee und seinen zwei versunkenen Mühlen. Hier lohnt sich unbedingt eine Vesperpause auf einer der einladenden Bänke unter einem großen schattigen Apfelbaum. 

Vorbei an einem Bauerngartenidyll wie aus dem Bilderbuch entdeckt unsere Tochter mehrere Kälber in einem Innenhof und wir machen eine kleine Streichelpause. Schmusekatze inklusive. Von hier aus geht’s nun wieder nach Absberg rein und Richtung Hauptstraße. Bevor wir nun der Weg weiter Richtung Südhang laufen, machen wir einen kleinen Abstecher zu dem nur paar Meter entfernten Landgasthaus „Jägerhof“ und holen uns ein Eis to go. Hier wäre auch eine gute Möglichkeit zum Einkehren gewesen, mit Biergarten und kleinem Spielbereich für Kinder im Garten.

Zurück auf unserer offiziellen Mühlenwegroute müssen wir nun ca. 200 Meter an einer Straße ohne Gehweg entlang. Das ist mit Kindern etwas mühsam, ständig stehenzubleiben und zu warten bis die Autos vorbei sind, denn die Straße ist im Sommer durchaus sehr befahren.

Hat man dies dann aber hinter sich gebracht, werden wir Erwachsenen mit einer weiteren tollen Aussicht über den Igelsbachsee belohnt und die kleinen Abenteurer mit einem geheimen Kellergang am Wegrand, welcher so tief in die Erde führt, dass unsere Handy Taschenlampe gar nicht auslangt. 

Traumaussicht zum Verweilen

Nun kommt mein absolutes Highlight der Wanderung. Wir biegen zum Südhang von Absberg ab und plötzlich kriegen wir einen mega Panoramablick über den See geboten. Von hier oben kann man vom Kleinen bis weit hinter zum Großen Brombachsee blicken. Der See ist voll mit Segelschiffen, Stand Up Paddlern und dazwischen die MS Brombachsee. Diese darf ja seit ein paar Wochen auch endlich wieder ihre Runden drehen. 

Ausruhen, vespern, Aussicht genießen. Zwischendurch die Mühlenschilder lesen, hier am Aussichtspunkt stehen nämlich gleich drei davon. Ein Mühlenkompass auf den Tafeln zeigt einem anhand eines Pfeiles an, wo sich die entsprechende Mühle damals befand. 

 

Schattiger Pfad unterhalb Absbergs

Ein absoluter Pluspunkt was den Mühlenweg betrifft: Er ist sehr abwechslungsreich. Der Weg bisher verlief eher an weiten Feldern und Wiesen entlang, gut befahrbar mit Rädern oder Kinderwagen. Jetzt tauchen wir ein in den „Geheimgang“, wie die Kinder es nennen, ein eher schmaler, schattiger Pfad zwischen den Bäumen am Hang entlang. Ab hier schieben wir dann die Räder. Zwischen den Bäumen hat man immer mal wieder einen guten Blick auf die Wakepark Anlage und kann den Jungs und Mädels beim „shredden“ zusehen. Ja, das sagt man so in der Szene! 😉

Das letzte Stück des Weges haben wir noch Steine gesammelt, Äste geschnitzt, ein Reh beobachtet und am kleinen Spielplatz unterhalb des Rathauses gespielt. Allerdings fanden wir die Spielgeräte dort jetzt nicht ganz so aufregend und haben kurz überlegt die Treppen vom Rathaus runter Richtung See zu laufen, dort gibt es nämlich einen weiteren größeren Spielplatz zu erkunden. Wir haben uns dann aber doch für ein kühles Blondes entschieden 😉 Zum Café Seerose waren es nämlich nur noch wenige Schritte. Hier gibt es eine Terrasse mit traumhaftem Blick auf den See, leckeren Kuchen und kleine Brotzeiten.


Fakten zum Mühlenweg

  • Länge von 5 km und eine Gehzeit von ca. 1,5 Stunden
  • Jeder Mühle ist eine Informationstafel gewidmet, die von der Geschichte und den Bewohnern der Mühle erzählt.
  • Wanderweg mit mäßigen Steigungen und herrlichen Panoramablicken über den See.

Mein Fazit

Alles in allem waren wir alle positiv überrascht und begeistert vom Mühlenweg. Er ist vor allem auch für Familien sehr schön zu laufen und geschichtlich sehr informativ. Man muss sich aber klar sein, dass es auch mal steil bergauf und ab geht. Das ist OK, um den Kinderwagen mal ein kleines Stück zu tragen, für Rollstuhlfahrer aber ungeeignet. Und wenn man, wie wir, den Weg rückwärts läuft, muss an einigen Abzweigungen etwas genauer nach den Wegweisern gesucht werden, da der Weg nur in eine Richtung beschildert ist. Ansonsten besuch ich den Mühlenweg gerne nochmal. Vielleicht mal zum Sonnenaufgang an der Rastbank mit Panoramablick. Mit ´ner Tasse Kaffee in der Hand. Und ohne Kinder. 😉

 

Highlights für Kinder

  • Es gibt einige Tiere auf der Strecke: Pferde, Kühe, Schafe, Katzen und manchmal sogar ein Reh
  • Abwechslungsreicher Weg: Erste Hälfte auch gut zum Fahrradfahren geeignet.
  • Eispause möglich beim Landgasthaus Jägerhof und Café Seerose

 

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