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Der Wander- und Fahrradgeheimtipp: „Auf dem Jura“

Wenn man im Fränkischen Seenland vom „Jura“ spricht, dann meint man nicht etwa das Gebirge in Frankreich und der Schweiz. „Unser“ Jura ist eine Hochebene östlich von Weißenburg und der Wander- und Fahrradgeheimptipp des Fränkischen Seenlands schlechthin. Hier findet man abseits des Rummels an den Seen wunderschöne Weitblicke, einsame Wiesen und Wälder, niedliche Dörfer – und trotzdem ein perfekt ausgebautes Wegenetz. Mit einem mystischen verfallenen Schloss und dem Römererlebnispfad in Burgsalach (samt Ausgrabungsstätte) gibt es sogar richtig was zu entdecken.

Jura-Variante 1: Radtour mit Schlössern, Burgen, Bademöglichkeit und Panorama-Blick

Wenn ich alleine mit meinem Rad ein paar Kilometer abspulen will, fahre ich auf den Jura. Auf geschotterten Feldwegen geht es quer durch die wunderschöne Landschaft der Hochebene. Aber auch die „normalen“ Straßen zwischen den vielen kleinen Dörfern sind kaum von Autos befahren und eignen sich daher für eine ausgedehnte Erkundungstour. Als Ausgangspunkt empfehle ich den Wanderparkplatz „Brand“ am Ende der Straße Forstweg in Oberhochstatt. Von dort aus fährt man los in östlicher Richtung nach Burgsalach, wo man einen Stop am Burgus (siehe Römererlebnispfad) einlegen kann.

Über Nennslingen kann man dann weiterfahren Richtung Gersdorf ins wunderschöne Anlautertal, wo man einen kurzen Abstecher zur Bechthaler Burgruine auf dem Hügel machen und anschließend ein erfrischendes Bad im Bechtaler Weiher nehmen kann. Alternativ biegt man in Nennslingen ab Richtung Thalmannsfeld und kommt zu einem der schönsten Lost-Places in ganz Bayern: Dem Schloss Syburg. Das rund 500 Jahre alte und stark sanierungsbedürftige Wasserschloss steht leider vor einer ungewissen Zukunft und kann – da es sich in Privatbesitz befindet – nicht besichtigt werden. Doch schon der Blick von außen auf das mystische Gebäude ist faszinierend.

Von Thalmannsfeld aus führt der Weg über Bergen und Geyern (wo man ebenfalls einen Blick auf das dortige Schlösschen erhaschen kann) Richtung Kaltenbuch. Auf halber Strecke zwischen Geyern und Kaltenbuch befindet sich am Rand des Hochplateaus ein Aussichtspunkt mit Picknickplatz, von dem aus man einen herrlichen Blick über das Tal genießen kann. Vom Brombachsee linker Hand, über das Felchbachtal und bei guter Sicht bis nach Nürnberg kann man hier schauen.

Weiter führt die Tour von Kaltenbuch aus an den Windkraftanlagen vorbei wieder zum Ausgangspunkt nach Oberhochstatt. Insgesamt hat die Route eine Länge von 35 Kilometern und kann beliebig variiert werden, denn das Straßen- und Wegenetz auf dem Jura zwischen den Dörfern ist gut verzweigt und es gibt überall Spannendes zu entdecken. Man braucht auch keine Angst haben, unterwegs zu verdursten, denn der kleine Landstrich verfügt mit Felsenbräu und Thalmannsfeld und Ritter-Bier in Nennslingen über zwei hervorragende Brauereien… 😉

Jura-Variante 2: Wanderung auf dem Römer-Erlebnispfad bei Burgsalach

Die Römer, die im Fränkischen Seenland vor über 2000 Jahren die Außengrenze ihres Reichs zogen und überwachten, sind natürlich längst wieder weg. Die Überreste und Zeugnisse des Obergermanisch-Raetischen Limes sind aber noch an vielen Stellen gut sichtbar und erlebbar. So auch am Römer-Erlebnispfad bei Burgsalach.

Los geht es am Parkplatz beim Sportplatz. Von dort gibt es einen kurzen Rundweg (Wanderzeit ca. 2.30 Stunden, 5,8 km) und eine lange Routenvariante (Wanderzeit etwa 4 Stunden, 12,7 km) entlang des Weltkulturerbes Limes und der parallel verlaufenden Römerstraße zu spannenden Zeugnissen der Antike. Vor allem der Burgus, die Überreste eines Kleinkastells, ist beeindruckend.

 

Weitere Infos für Geschichtsinteressierte:

Der Limes bei Burgsalach

Fährt man von Oberhochstatt nach Burgsalach überquert man die Limeslinie, die 1800 Jahre zuvor das Römische Reich vom Barbaricum, dem Gebiet der germanischen Stämme, trennte. Dieser Limesabschnitt ist der eindrucksvollste in ganz Bayern: Mehrere Kilometer verläuft er, deutlich durch Hecken gekennzeichnet, schnurstracks durch die Landschaft. Am Sportplatz in Burgsalach informiert ein kleiner Pavillon über den Limes und den Standort. Wenige hundert Meter weiter befindet sich ein (nicht an originaler Stelle) nachgebauter Holzturm, daneben die Fundamente des späteren Steinturms. Etwa 1000 m hinter dem Limes stößt man in einem Wäldchen auf das Kleinkastell „In der Harlach“. Die etwa 32 x 32 m große Anlage ist einmalig am Limes in Deutschland. Vermutlich wurde sie kurz vor der Mitte des 3. Jhs. – und damit wenige Jahre vor Aufgabe des Limes 253/54 n. Chr. – errichtet. Ihr ungewöhnlicher Grundriss erinnert an Anlagen aus Nordafrika. Ob es sich bei dem heute teilweise rekonstruierten Gebäude um ein Kleinkastell oder ein öffentliches Rasthaus handelt, ist in der Forschung umstritten.

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Aber auch wer kein Fan der römischen Geschichte ist, wird auf dem Wanderweg seine Freude haben. Die idyllische Jura-Ebene rund um Burgsalach ist landschaftlich sehr ansprechend, verfügt aber nur über wenige Steigungen und ist daher auch für die ganze Familie leicht zu bewältigen.

Insgesamt kann ich euch dieses unberührte, ursprüngliche Stück Fränkisches Seenland einfach nur wärmstens ans Herz legen. Gerade wenn ihr vom Tumult an den Seen mal ein bisschen Ruhe braucht, könnt ihr hier oben die Weite der Landschaft spüren und so richtig durchatmen!



 

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