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Charly Hummel

Zeitzeugen im Fränkischen Seenland: Charly Hummel aus Muhr am See und das Fränkische Seenland

Als der Altmühlsee von Franz Josef Strauß, dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten, eingeweiht wurde, spielte er im Posaunenchor: Charly Hummel aus Muhr am See. Er hat als Bub in den Altmühlwiesen Kühe gehütet. An gleicher Stelle nur ein paar Jahrzehnte später fährt Hummel mit der MS Altmühlsee als Kapitän über den See. Auch wenn er die Kapitänsmütze vor kurzem an den Haken gehängt hat, das Seenland hat Charly Hummels Leben stark beeinflusst – und tut es noch.

Das Seenland ist Charly Hummels Heimat. Und die kennt kaum einer so gut, wie er. Zahlen, Daten, Fakten – es gibt keine, die Charly Hummel nicht kennt, wenn es um das Fränkische Seenland geht. Er weiß, wann, wie lang welcher See gebaut wurde, was investiert wurde und wie viel „Resthofentschädigung“ an die Landwirte für ihre Wiesen gezahlt wurde (1,80 bis 2,60 Mark pro Quadratmeter). Wir sitzen am Esstisch bei Charly Hummel in Muhr am See – also ganz in der Nähe des Sees – und sprechen über sein Leben und das Seenland.

Gutes Angebot vom Freistaat

Der heute 70-Jährige ist in Muhr geboren und zusammen mit vier Geschwistern aufgewachsen. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft – wie so viele Familien in den Dörfern rund um den Altmühlsee. Die Altmühlwiesen waren saure Wiesen, sagt Charly Hummel. Also zögerte in den 1970er-Jahren kaum jemand, als das Angebot vom Freistaat kam, die Flächen für den Bau des Sees zu verkaufen, erinnert sich Zeitzeuge Hummel.

Blick über Walder Damm nach Muhr mit Baustelle / Georg Schwarz

Blick über Walder Damm nach Muhr mit Baustelle / Georg Schwarz

Gutes Miteinander

Es sei damals eine riesige Meisterleistung gewesen, das Ganze der Bevölkerung näher zu bringen. „Wir können dankbar sein, dass wir keine Ruine vor der Tür haben“, sagt Charly Hummel. Hätte die Bevölkerung nicht mitgezogen, hätte das ganz anders kommen können, ist Hummel überzeugt. Aber die Verantwortlichen hätten zusammen mit dem Naturschutz und der Bevölkerung eine Grundlage für ein gutes Miteinander geschaffen.


Zur Person:

Karl „Charly“ Hummel ist 1950 geboren und in Muhr aufgewachsen. Der gelernte Elektrotechniker war vor seinem Ruhestand bei einer Firma in Gunzenhausen unter anderem für die Lehrlingsausbildung zuständig. Neben seinem Beruf engagierte er sich jahrelang in der Kommunalpolitik in Muhr am See, zuletzt als zweiter Bürgermeister. Außerdem ist er Teil der Trachtengruppe „D’Altmühltaler“. Das ist nur ein Auszug aus seinem umfangreichen ehrenamtlichen Engagement.


Arbeitsplätze und gut angelegtes Geld

1,3 Milliarden Mark wurden in 30 Jahren Bauzeit in das Fränkische Seenland investiert, erzählt Hummel. „Das Geld ist gut angelegt“, ist er überzeugt. Denn es entstanden rund 4.000 Arbeitsplätze. „Wäre das Fränkische Seenland nicht gekommen, wäre manche Nebenstraße noch nicht geteert“, ist der 70-Jährige sich sicher. Charly Hummel selbst hat in den 1990er-Jahren angefangen, Ferienwohnungen zu vermieten. Bis 2018 war er Kapitän auf der MS Altmühlsee und er führt bis heute Busgruppen durch das Seenland.

„Wir konnten uns durch das Fränkische Seenland ein zweites Standbein aufbauen: Ferienwohnungen, Seenführung und Kapitän. Wir haben alle davon profitiert.“ Charly Hummel

Kapitäne der MS Altmühlsee / Zweckverband Brombachsee

Die Kapitäne der MS Altmühlsee: Charly Hummel (2. von rechts) / Zweckverband Brombachsee

Außerdem war Hummel 18 Jahre lang Mitglied im Gemeinderat in Muhr am See. „Ich habe die Entwicklung des Fränkischen Seenlands hautnah miterlebt“, sagt er. Der See hat viele Familien angezogen. Allein die Gemeinde Muhr ist in 15 Jahren um 500 Menschen gewachsen. „Das war eine große Herausforderung für die Gemeinde“, weiß Hummel. Zusammen mit Bürgermeister und Gemeinderat konnte aber eine gute Infrastruktur aufgebaut werden, ist Hummel überzeugt. Und weiter: „Der See war dabei die treibende Kraft. Ansonsten wäre die Entwicklung langsamer vorangegangen.“

Blick auf Muhr aus Wald vor Flutung des Altmühlsees / Georg Schwarz

Blick auf Muhr aus Wald vor Flutung des Altmühlsees / Georg Schwarz

„Dankbar sein“

Allerdings hätten durch den See auch die Preise angezogen: Grundstücke, Gastronomie – das alles sei teurer geworden. Es liege aber noch im Rahmen, findet Hummel. Und natürlich sei im Sommer am See viel los, so Hummel. Rund eine Million Touristen haben im vergangenen Jahr im Fränkischen Seenland Urlaub gemacht. Zur Hauptzeit geht man dann eben nicht an den See, meint Charly Hummel. Er selbst nutzt zusammen mit seiner Frau oft und gerne das Angebot, das durch den See entstanden ist. „Wir können mehr als dankbar sein“, sagt er.

Im Anschluss an das Interview halte ich noch kurz auf der Brücke zwischen Muhr und Schlungenhof, schaue über den Altmühlsee und denke mir: „Recht hat er, der Hummels Charly.“


Die Entstehung des Fränkischen Seenlands hat die Menschen in der Region stark beeinflusst. Wir stellen euch einige Zeitzeugen hier im Blog vor:


 

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