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Kopfsprung ins Grün: Waldbaden im Fränkischen Seenland

Badewetter? Egal. Badehose? Bikini? Braucht man nicht. Schwimmkenntnisse? Überflüssig. Alles, was man beim sogenannten Waldbaden braucht, sind die eignen fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Ich hab den erfrischenden Sprung ins Grün gewagt und den neuen Entschleunigungs-Trend am Brombachsee mal ausprobiert.

Ganz fest umarme ich den riesigen Baum. Ich komme nicht mal zur Hälfte mit meinen Armen um den Stamm, so massiv ist er. Ich lehne mich mit meiner Wange gegen die zerklüftete Rinde und schließe die Augen. Was der Baum wohl jetzt denken mag? Da steht er seit Jahrzehnten unbehelligt in einem Waldstück, hat mit angesehen, wie nur wenige hundert Meter entfernt der Kleine Brombachsee entstanden ist, und irgendwann kommt eine junge Frau und schmiegt sich an seinen Stamm. Er muss die Menschen für total verrückt halten.

„Ist es komisch, dass ich mir überlege, was der Baum gerade denkt?“, frage ich lachend. „Nein, überhaupt nicht! Das mache ich auch oft“, entgegnet Sandra Röhrl. Sie ist Waldpädagogin und hat das Waldbaden an den Brombachsee gebracht. Und sie zeigt mir heute, was man darunter eigentlich versteht. Dafür sind wir vom Strandhotel Seehof in Langlau aus etwa fünf Minuten einfach quer in den angrenzenden Wald gestapft. „Waldbaden kann man überall und jederzeit“, erklärt Sandra Röhrl. Es ist prinzipiell egal, ob Laub- oder Nadelwald, ob dichtes Unterholz oder luftige Lichtung. Hauptsache: Wald.

 

Zeit im Wald verringert das Krebsrisiko

Waldbaden kommt ursprünglich aus Japan. „Shinrin yoku“ ist dort schon seit den 80er Jahren eine anerkannte Methode, um Stress abzubauen und wird deshalb ganz offiziell vom japanischen Gesundheitswesen gefördert.

„Man hat in verschiedenen Studien festgestellt, dass Bäume mit sogenannten Terpenen – also Botenstoffe – miteinander kommunizieren“, erklärt mir Sandra Röhrl. „Diese Terpene kann auch das menschliche Immunsystem aufnehmen. Es regt die Bildung von Killerzellen im Körper an und kann so Stress abbauen, den Blutdruck und Adrenalinspiegel senken und sich sogar positiv auf das Krebsrisiko auswirken.“

Sandra Röhrl macht den Wald mit allen Sinnen erlebbar

Einfach nur im Wald sein

Neben diesen biochemischen Prozessen, die wir bewusst gar nicht wahrnehmen, macht der Aufenthalt im Wald aber auch eine ganze Menge mit unserem seelischen Wohlbefinden. Zumindest dann, wenn man im Wald badet. „Waldbaden bedeutet einfach nur, dass man bewusst Zeit im Wald verbringt“, sagt die Expertin. „Nicht nur durch den Wald gehen oder joggen, sondern auch mal anhalten. Es geht um Entschleunigung, um das bewusste Wahrnehmen der Natur mit allen Sinnen.“

Einfach nur im Wald sein ist im Prinzip kein Hexenwerk, aber dennoch ist es für die allermeisten Menschen etwas absolut ungewöhnliches. „Einmal, als ich einfach nur so auf dem Waldboden gesessen habe, hat sich eine vorbeigehende Spaziergängerin sofort Sorgen um mich gemacht, und gefragt, ob es mir nicht gut geht“, erinnert sich Sandra Röhrl.

Details in der Natur entdecken

Erste Schwimmübungen im Wald

Weil es vielen Menschen dann aber doch schwer fällt, einfach mal nichts zu tun und sich auf den Wald einzulassen, hat die Naturpädagogin bei ihren Waldbädern ein paar Übungen dabei. Sie sollen den Badegästen helfen, die Flora und Fauna im Wald aktiv zu erleben. „Es gibt so viele spannende Dinge zu entdecken, und viele fühlen sich dabei wieder wie ein Kind“, berichtet Röhrl.

Und dann machen wir die ersten Schwimmübungen im Grün. Mit einem Bilderrahmen bewaffnet soll ich ein frühlingshaftes Detail finden. Wir machen Qi-Gong-Übungen und saugen die Waldluft auf wie ein Schwamm. Mit geschlossenen Augen ertaste ich einen Baum und lasse mich mit von einem Seil kreuz und quer durch’s Unterholz führen. Und schließlich darf ich einen Baum umarmen und frage mich dabei, was er wohl denkt.

Ich jedenfalls denke: Der Baum fühlt sich stark und stabil an, und irgendwie beruhigt es mich tatsächlich. Ich war zwar nie ein bekennender Baumschmuser, aber ich glaube, ich werde mich in Zukunft öfter mal an einen Baumstamm schmiegen. Schaden jedenfalls tut es auf keinen Fall – weder mir, noch dem Baum.


Wald erleben im Fränkischen Seenland

  • Naturpädagogin Sandra Röhrl bietet im Strandhotel-Seehof ab sofort ganze Waldbaden-Wochenenden an.
  • Der LBV bietet mit seinen Stationen am Altmühlsee und am Rothsee viele Natur- und Waldpädagogische Aktionen für Kinder an.
  • Viele waldpädagogische Programme, wie etwa Ferientage im Stadtwald oder Führungen mit dem Förster, bietet das Forstamt in Weißenburg an. Es verfügt auch über eine waldpädagogische Hütte in der Nähe des Römerbrunnens.
  • Ebenfalls im Weißenburger Stadtwald rund um den Römerbrunnen, befindet sich der Walderlebnispfad mit interessanten Tafeln und Erlebnisstationen.
  • Der Wald-Erlebnispfad „Klaus die Fledermaus“ in Gunzenhausen erklärt den Lebensraum Wald vor allem für Kinder in mehreren spannenden Stationen.
  • Der Spalter Barfuß-Wonnen-Weg lässt die Besucher den Wald mit den blanken Fußsohlen erkunden.
  • Schlafen im Baumzelt inmitten der Baumkronen: Mehr Waldbaden geht nicht.
  • Kultur und Waldbaden verbindet die Freilichtbühne Bergwaldtheater in Weißenburg

Bildergalerie: Die bisher schönsten Waldfotos auf dem SeenLandBlog

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