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Endspurt! Das Kloster Heidenheim putzt sich heraus für die Zukunft

Vor mehr als 1200 Jahren war Heidenheim auf dem Hahnenkamm ein leuchtendes Zentrum der Christianisierung. Hier lebte und wirkte die Heilige Walburga, die nach Maria eine der meistverehrten heiligen Frauen ist. Unter dem Motto „Neues Leben in alten Mauern“ wird das geschichtsträchtige Benediktinerkloster in Heidenheim nun seit sechs Jahren saniert. Im März ist die Fertigstellung geplant und das Kloster öffnet seine Pforten für die Besucher. Und was man dort geplant hat, klingt richtig spannend – mit langweiligem Klosterleben hat das rein gar nichts zu tun…

„Überhaupt denken viele Leute, dass Klöster total eintönige und langweilige Orte waren“, wundert sich Dekan Klaus Kuhn. „Dabei sind so viele Dinge im Kloster erfunden worden. Tennis zum Beispiel oder auch Champagner. Ich könnte einen ganzen Vortrag darüber halten, was das Klosterleben alles hervorgebracht hat.“

Doch davon erzählt er mir ein andermal. Heute stehen Klaus Kuhn und ich inmitten von Planen, Baustrahlern, Holzleisten und Farbeimern im Inneren der Klostermauern und der Dekan erläutert mir, was hier in den nächsten vier Monaten noch alles passieren wird.

Dann nämlich, am 9. März, soll das Heidenheimer Kloster aus seinem Winterschlaf erwachen. Nach Leerstand und langjähriger Bauzeit soll es endlich seine neue Bestimmung finden. Als Begegnungsstätte, als Pilgerstätte, als Museum, als Ort für Kunst, Kultur und Bildung.

Es gibt ein breites Seminar- und Kulturangebot

Schon jetzt ist der Zweckverband Kloster Heidenheim auf einem guten Weg dahin. Allein im Jahr 2018 haben Dekan Kuhn und seine Kollegen 70 Besuchergruppen durch das Kloster geführt und zu den Vorträgen und Kulturveranstaltungen im Kapellensaal – dem ehemaligen Schlafsaal der Mönche – kommen bis zu 100 Gäste.

„Aus dem nahegelegenen Schullandheim kommen natürlich auch viele Schulklassen zu uns“, erzählt Klaus Kuhn. „Nur zuhören ist natürlich langweilig, deshalb versuchen wir, die Themen möglichst interaktiv zu gestalten.“

Es gibt zum Beispiel eine Führung, die sich „Die gläserne Orgel“ nennt. Hier erfahren die Schüler alles zum Aufbau einer Kirchenorgel und bekommen etwas vorgespielt. „Oder wir gehen mit ihnen auf den Turm, um die Glocken aus nächster Nähe anzsuchauen.“

Das erwartet die Besucher in Zukunft

Auch im neu renovierten Kloster wird viel Wert auf Interaktivität gelegt – und damit ist nicht nur gemeint, dass man Knöpfe drückt und Animationen anschaut: „In dem Museum kann man beispielsweise eine Kirche aus Holzklötzen nachbauen oder ein Bibelzitat mit Emojis darstellen“, verrät Klaus Kuhn.

Das Klostergebäude beherbergt bald ein Museum und Seminarräume

Zusätzlich zum Museum soll es eine Tourist-Info, ein Pilger-Büro, einen Klosterladen, einen Tagungsraum und einen Raum für Sonderausstellungen geben. Und neben dem dem Komplex entsteht mit der Klosterschenke sogar ein neues Gasthaus mit Restaurant und Übernachtungsmöglichkeiten – eine echte Aufwertung für den Standort Heidenheim.

„Wir haben über 80 Klöster analysiert, um zu entscheiden, wie wir das hier in Heidenheim machen wollen“, erzählt der Dekan. So soll es im Klosterladen nur ausgewählte lokale Produkte oder Artikel rund um das Kloster geben.

Eine Besonderheit: Im Gegensatz zu den meisten anderen Klöstern ist in Heidenheim auch der Teil zugänglich, der normalerweise zum Klausurbereich der Mönche gehört. „Wenn die Besucher künftig durch die Eingangstür kommen, stehen sie mitten im Kreuzgang“, beschreibt Klaus Kuhn die künftige Aufteilung. „Und so ein Kreuzgang ist schon echt eine coole Location.“

Hier werden künftig Besucher empfangen

Kloster Heidenheim – ein Ort für Pilger

Thematisch befasst sich das Kloster Heidenheim als Bildungs- und Begegnungsstätte vor allem mit der Ökumene (sowohl konfessions- als auch religionsübergreifend), Pilgern und der Bedeutung des Christentums in der Gegenwart.

„Pilger sind eine wichtige Zielgruppe für uns, weil wir ja hier am Jakobsweg liegen“, erklärt der Dekan. Und auch der ökumenische Pilgerweg führt von Eichstätt aus nach Heidenheim – das ist jener geschichtsträchtige Pfad, über den auch die Heilige Walburga im 8. Jahrhundert den christlichen Glauben in die Region gebracht hat.

Auch Schnupper-Pilgern ist im Angebot des Klosters. „Beim Pilgern ist das Ziel entscheidend, aber auch der Weg an sich“, weiß Klaus Kuhn. „Es gibt beispielsweise einen geistlichen Impuls am Anfang oder an verschiedenen Wegpunkten. Der Sinn dahinter ist, sich beim Gehen Gedanken über bestimmte Fragestellungen zu machen oder sich selbst zu reflektieren. Es kommt eben etwas in Bewegung.“ Auch bei den Kinder- und Jugendgruppen sei Pilgern echt „der Renner.“


Pilgern im Fränkischen Seenland

Im Fränkischen Seenland gibt es mehrere Pilgerwege und -stätten. So führen etwa zwei Routen aus dem Netzwerk des Jakobswegs durch die Region und der ökumenische Pilgerweg führt von Eichstätt im Altmühltal bis zum Kloster Heidenheim. Weitere Informationen gibt es in der ausführlichen Broschüre unter www.fraenkisches-seenland.de/pilgern.


Am 9. März ist es voraussichtlich so weit – dann wird das Kloster Heidenheim für die Öffentlichkeit seine Pforten öffnen und auch der Klostergasthof soll spätestens ab da die Gäste, Pilger und Ausflügler bewirten. Man erhofft sich ein Einzugsgebiet, das sich locker bis nach München erstreckt; bei einigen Veranstaltungen kommen ja schließlich jetzt schon Besucher aus der Landeshauptstadt angefahren.

Ob die Erwartungen erfüllt werden, wird sich zeigen. „Wir haben ja keinerlei Erfahrungswerte, auf die wir zurückgreifen können“, sagt der Dekan. „Wir fangen bei Null an.“

Ich persönlich bin da optimistisch. Das, was ich bei meinem Rundgang erfahren durfte, klingt auf jeden Fall spannend – und in diesen hektischen Zeiten, in denen jeder nach Natur, Spiritualität und Entschleunigung sucht, könnte man genau das im Kloster Heidenheim finden.


Weiter Informationen zum Kloster Heidenheim

  • Alle Infos zu Führungen und Veranstaltungen findet man online unter www.kloster-heidenheim.eu
  • Wer die Sanierung des Klosters unterstützen möchte, kann Steinpate werden und sich dort verewigen
  • Besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit lohnt sich ein Besuch: Es gibt ein Adventskonzert mit dem Kammerchor des Fränkischen Seenlands am Sonntag, 2. Dezember um 17 Uhr und am Sonntag, 9. Dezember findet im Innenhof des Klosters der Heidenheimer Weihnachtsmarkt statt.

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