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Mord und Totschlag im Fränkischen Seenland

Wo wird im Fränkischen Seenland gemordet? Wo wird geliebt? Welche Geschichten verbergen sich auf dem Grund des Altmühlsees, auf dem Deck der MS Brombachsee oder im Spalter Hügelland? In meinen mittlerweile dreieinhalb Jahren als Seenland-Bloggerin habe ich jede Menge Kurzgeschichten, Gedichte, Krimis und Romane aus dem Fränkischen Seenland gesammelt. Zeit, sie euch einmal vorzustellen – und euch auch zu zeigen, welche erfolgreichen Autoren unsere Region hervorgebracht hat. Live erfahrt ihr das im Haus am See am Hahnenkammsee am Samstag, 23. November, um 19 Uhr bei einer gemütlichen Lesenacht am Kaminfeuer. Alternativ stelle ich euch hier ein paar Werke zur „Eigenrecherche“ vor.

Sigrun Arenz: Das ist mein Blut

In den Überresten des Römerkastells bei Ellingen wird die Leiche eines Journalisten gefunden. Oberkommissarin Eva Schatz von der Kripo muss dem Weißenburger Kommissar Rainer Sailer bei den Ermittlungen helfen. Und der Fall ist zunächst vollkommen undurchsichtig: Wie steht die Leiche in Verbindung mit dem Einbruch in eine Dorfkirche, aus der das Abendmahlgeschirr entwendet wurde?

Altmühlsee, Gunzenhausen, Weißenburg, Ellingen, Cronheim: Sigrun Arenz hat in ihren Krimi in ordentlich viel Lokalkolorit getunkt, und das aber ganz geschickt und mit gut recherchierten Fakten. Ein Krimi, der vor allem Ortskundigen Spaß macht und ohne große Effekthascherei auskommt. „Das ist mein Blut“ ist der erste von insgesamt drei Krimis, in dem das Ermittlerduo Sailer und Schatz das Fränkische Seenland nach Bösewichten durchkämmt. Die beiden Fortsetzungen „Kühl bis ans Herz“ und „Nicht vom Brot allein“ spielen ebenfalls in der Region.

Von meiner Seite gibt eine ganz klare Lese-Empfehlung! Mehr Seenland gibt’s derzeit in keinen anderen Krimis auf dem Markt.

Sabine Fink: Dreikampf

Der Challenge in Roth hat ja mittlerweile einen Bekanntheitsgrad, der weit über Mittelfranken hinausgeht. Jährlich messen sich knapp 3500 Einzelstarter und rund 2000 Staffelteilnehmer in den Triathlon-Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen, mehrere Hunderttausend Zuschauer feuern die Athleten an. Bei so viel Rummel war nur eine Frage der Zeit, bis dort auch ein Mörder sein Unwesen treibt.

Zum Glück tut er das aber nur in der Fiktion. „Dreikampf“ heißt der Lokal-Krimi von Sabine Fink, der den Challenge in Roth zum Schauplatz eines mörderischen Verbrechens macht. Schon  auf dem Cover stürzen sich gerade die Schwimmer in den Main-Donau-Kanal, auch bei der Benennung der Kapitel zieht die Autorin das Challenge-Thema durch. Sie heißen Aufwärmen, Start, Wechselzone 1, km 7,5 Rad, km 184 Laufen und so weiter. Das macht Lust auf mehr.

Doch obwohl die Szenen während des Rennens wirklich toll beschrieben sind (und viele Erinnerungen an meinen ersten Triathlon-Start mit dem Seenland-Team geweckt haben), so hat sich das Lokalkolorit mit den Ortsnamen entlang der Challenge-Strecke und ein paar „Allmächd!“-Rufen eigentlich auch schon erledigt. Für Sportbegeisterte und Menschen im Challange-Fieber ist das Buch aber auf jeden Fall lesenswert!

Friederike Schmöe: Wer mordet schon in Franken?

Das Buch ist eine Kurzgeschichtensammlung mit einer ganz witzigen Idee. Und zwar sind in den Kurzgeschichten Informationen zu Sehenswürdigkeiten in eingestreut, und damit sind die mörderischen Handlungen eine Art Krimi-Reiseführer. Weitere Informationen zu den im Text angesprochenen Sehenswürdigkeiten gibt es dann in den Fußnoten.

Im Krimi-Reiseführer „Wer mordet schon in Franken?“ hat auch das Fränkische Seenland ein eigenes Kapitel bekommen. Es geht um einen perfiden Mord- und Racheplan eines Autors an seiner verhassten Kollegin. Um sie aus dem Weg zu räumen, hat er das perfekte Verbrechen vorbereitet – mit blutrünstigen Barracudas im Brombachsee…

Die Geschichte ist natürlich total absurd, aber in die Handlung sind zahlreiche bekannte Orte und touristische Hotspots des Fränkischen Seenlands eingestreut. Eine wirklich tolle Idee und der wohl kurzweiligste Reiseführer, den ich je gelesen habe!

Nicole Joens: Hopfenkönigin

Wo würde ein Krimi über Hopfen besser passen, als in Spalt? Genau. Nirgendwo. Und darum ist Spalt eben auch der Schauplatz für Nicole Joens‘ „Hopfenkönigin.“

Die Hopfenkönigin ist die junge Sandy Baker, die nach einem ausschweifenden Vollmondfest mit Sex- und Drogenexzessen in Spalt im Sommer 1984 spurlos verschwindet. Erst 30 Jahre später nimmt ein ehemaliger Bekannter von Sandy, der mittlerweile international erfolgreicher Ermittler und Kriminologe ist, die Spur wieder auf. Und es wird alles ganz schön wirr. Es geht um ein mit Spalter Aromahopfen angereichertes Super-LSD, um die amerikanische Besatzung Bayerns, und am Ende gibt es einen großen Showdown in Guantanamo.

Wem das nicht ein bisschen zu viel Fiktion ist, der wird sich beim Lesen der Hopfenkönigin gut unterhalten fühlen. Ärgerlich sind aber mitunter die Recherchefehler. Wenn ich schon einen realen Handlungsort wie Spalt auswähle, dann muss ich auch wissen, dass es 1984 noch keinen Brombachsee gegeben hat…

Autoren aus dem Fränkischen Seenland

Timo Leibig kommt ursprünglich aus Pleinfeld und veröffentlichte jahrelang nebenberuflich seine Thriller als Self-Publisher auf Amazons Ebook-Plattform kindle. Mittlerweile kann der 34-Jährige von der Schreiberei leben; nicht zuletzt, weil er mit „Nanos – Sie bestimmen, was du denkst“ auch bei einem Verlag unter Vertrag genommen wurde. Timos Krimis sind enorm abwechslungsreich. Mal geht es um den Mord in einem Nobelrestaurant, mal um einen verstörten jungen Mann mit unfreiwilligen Verbindungen zur Mafia. Im Fränkischen Seenland spielen die Werke zwar nicht – aber dafür ist der Autor ein waschechter Seenländer, der übrigens auch jedes Jahr mit einem Stand auf dem Seenlandmarkt in Absberg zu finden ist und dort seine Bücher signiert.

Anja Mäderer, Jahrgang 1991, stammt aus dem Gunzenhausener Ortsteil Unterwurmbach und schrieb schon als Schülerin begeistert Kurzgeschichten. Für ihr Lehramtsstudium zog sie nach Würzburg und hatte in der Mainmetropole offenbar einen Inspirationsschub, denn 2015 veröffentlichte sie den Würzburger Lokalkrimi „Mainleid“. Es folgten weitere Lokalkrimis aus Unterfranken, und auch Anja Mäderer versteht es, ungewöhnliche Orte oder Personen für ihre Geschichten zu finden. Der aktelle Titel „Einer flog über die Vogelsburg“ spielt etwa in einer Therapieeinrichtung für Zwangsgestörte.

Martin Freund aus Weißenburg geht literarisch gerne ungewöhnliche Wege. Seine Bücher handeln mal von Liebe und Freundschaft („Narbenschmerzen“), von menschlichen Schicksalen („Bernsteinjahre“) oder von Zukunftsvisionen („Zwischenweltenzeit“). Auch einen Krimi und ein Kinderbuch hat Martin Freund schon veröffentlicht. Der Mann probiert gern aus; und das macht Spaß, das lesenderweise mitzuverfolgen!

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