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Zeitzeugen im Fränkischen Seenland: Walter Oberhäußer aus Unterschwaningen und das Fränkische Seenland

Eine Surfschule, Segler, Badegäste: Am Dennenloher See war Anfang der 1970er-Jahre viel geboten. Mittlerweile geht es ruhiger zu. Vor allem Angler kommen her. Manche haben ein Wohnmobil dabei. Selbst an einem regnerischen Herbstvormittag sitzen einige Unerschrockene am Ufer. Walter Oberhäußer aus Unterschwaningen ist hier aufgewachsen. Regelmäßig führt er Gäste durch seine Heimatgemeinde im Fränkischen Seenland – und natürlich auch an den See. Und dort zeichnet sich schon der nächste Wandel ab.

Ich treffe mich mit Walter Oberhäußer an einem regnerischen Herbstvormittag in seiner Wohnung im Marstallgebäude in Unterschwaningen. Einem der wenigen erhaltenen Gebäude einer einst eindrucksvollen Schlossanlage aus dem 18. Jahrhundert. Ein historischer Ort, um auf 50 Jahre Seenland-Geschichte zurückzublicken. Und dazu hat Gästeführer Oberhäußer einiges zu berichten.

Marstallgebäude in Unterschwaningen

Keine Proteste gegen den See

Der Dennenloher See ist zwar nicht im Rahmen der Wasserüberleitung entstanden, gehört heute aber auch zum Fränkischen Seenland. Anfang der 1970er-Jahre wurde der See im Rahmen der Flurbereinigung als Hochwasserrückhaltebecken für die Wörnitz gebaut. „Das waren alles saure Wiesen dort hinten. Da ist niemand hingekommen“, berichtet Walter Oberhäußer. So gab es auch kaum Proteste gegen den Bau des Sees mit rund 22 Hektar Wasserfläche.

Dennenloher See

Angler bleiben dem Dennenloher See treu

Als der See 1974 schließlich geflutet wurde, war Oberhäußer gerade um die 20 Jahre alt. „Da war am Dennenloher See die Hölle los“, erinnert sich der heute 70-Jährige. Die erste Surfschule des Seenlands war genau dort. Und einige Segler, die heute über den Altmühlsee schippern, haben auf dem Dennenloher See ihren Segelschein gemacht. Der 2,40 Meter tiefe See war eine Attraktion. Mit der Flutung des Altmühlsees wurden laut Oberhäußer die Gäste weniger. „Die Angler sind dem See treu geblieben“, berichtet er. Für eine bessere Wasserqualität wurde der See ausgebaggert, ein Damm eingezogen und neue Fische eingesetzt. „Das hat gut geholfen“, so der Unterschwaninger.


Zur Person:

Walter Oberhäußer ist 1949 in Dennenlohe geboren und aufgewachsen. Er hat bei der Bahn in Gunzenhausen gelernt und arbeitete seit 1976 in Nürnberg. Seit 15 Jahren ist Oberhäußer in Rente. Ehrenamtlich und mit viel Engagement führt der ehemalige Beamte seit 20 Jahren Gäste durch Unterschwaningen. Das ist aus seinem Interesse an der Geschichte entstanden. Immer wieder entwickelt er neue Ideen für seine Touren durch den Ort und das Seenland.


Wohnmobil am Dennenloher See

Der Campingplatz am Dennenloher See ist gut ausgebucht. Vor allem Dauercamper haben sich dort niedergelassen. „Die Leute schätzen die Ruhe hier“, weiß Oberhäußer. Ein Idyll mitten im Fränkischen Seenland. Allerdings verändert sich das Publikum am Dennenloher See seit einiger Zeit. Walter Oberhäußer beobachtet, dass immer mehr jüngere Touristen kommen – vor allem Familien. Die großen Liegewiesen seien sehr beliebt. Und die Badegäste würden auch immer mehr. Die Gastronomie am See habe einen guten Ruf, weiß Oberhäußer. Alles in allem ist der See ein Gewinn für die Region, ist der 70-Jährige überzeugt.

„Ich verbinde mit dem Fränkischen Seenland ein gewisses Heimaterlebnis. Es ist vielseitig und es gibt ein großes Freizeitangebot.“ Walter Oberhäußer

Damals, als der Landtag beschlossen hatte, das Seenland zu bauen, hätte Oberhäußer nicht gedacht, dass der Tourismus so groß wird. Er sieht auch, wie gut sich die Region in den 50 Jahren entwickelt hat. Andere Gebiete, die schon viel länger Tourismus betreiben, als das Fränkische Seenland, würden es nicht besser machen, ist Oberhäußer überzeugt.

„Wir profitieren alle vom Fränkischen Seenland. Es ist nur besser geworden.“ Walter Oberhäußer

Spaziergänger am Dennenloher See

Besonderes Lob verdient laut Oberhäußer das Radwegenetz. Das sei so gut ausgebaut, wie kaum irgendwo. Und er muss es wissen: Zusammen mit den anderen Unterschwaninger Gästeführern bietet er nicht nur Touren durch seine Heimatgemeinde an, sondern auch Radtouren durch die ganze Region. Es geht zum Beispiel durch die Heide zum Altmühlsee oder von Kirche zu Kirche oder durch den Oettinger Forst. Bei der Planung der Touren haben sie allerdings manchmal Schwierigkeiten eine passende Gastronomie zu finden. „Da haben wir noch Nachholbedarf“, meint Oberhäußer. Alles in allem ist sich der 70-Jährige aber sicher: „Ohne den See wäre nichts los.“

Ruhe, Ruhe, Ruhe

Und natürlich zieht es mich nach dem Gespräch mit Walter Oberhäußer noch an den Dennenloher See. Und es stimmt: Die Ruhe ist wirklich zauberhaft. Hier kommt nur her, der wirklich herkommen will. Keine Autos aus der Ferne. Nur Wald, Wiese und See. Wie entspannend. Auch bei Regen.


Die Entstehung des Fränkischen Seenlands hat die Menschen in der Region stark beeinflusst. Wir stellen euch einige Zeitzeugen hier im Blog vor:

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