Seen.Land.Blog.

Die Sandungeheuer in Pleinfeld

Manchmal will man einfach keinen Ausflug mit einer extra Portion Action. Manchmal soll es ein einfacher Familienausflug sein – bisschen raus in die Natur, bisschen Bewegung, bisschen entdecken. Und dafür reicht manchmal ein schmaler Waldweg, ein bisschen Neugier und die Bereitschaft, genauer hinzuschauen. Genau so ein Ausflugswunsch hat uns nach Pleinfeld geführt. Dort verläuft der Sandbockelweg – ein Kinderwanderweg, den es schon seit über 20 Jahren gibt. Allerdings wird er seit einiger Zeit durch den Naturlehrpfad „Kleine Sandungeheuer“ ergänzt.

Foto: Bianca Pauler

Zugegeben: Dem Weg sieht man seine Jahre an der einen oder anderen Stelle inzwischen an. Manche Station funktioniert heute nicht mehr ganz so, wie sie auf den Schildern beschrieben wird. Das nimmt dem Ausflug aber überraschend wenig von seinem Reiz. Denn der Sandbockelweg lebt weniger von großen Action-Stationen als von den vielen kleinen Entdeckungen unterwegs. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen abwechslungsreichen Spaziergang, bei dem die Natur selbst zur Hauptattraktion wird. Julia vom Seenlandblog hat ihn übrigens schon vor ein paar Jahren mit ihrer Familie getestet. Das Ganze könnt ihr hier nachlesen. Wir wollten aber unbedingt mal noch die Sandungeheuer suchen, deswegen nehmen wir euch nochmals mit auf den Familienrundweg.

Kleine Sandungeheuer ganz groß

Eigentlich ist der Name schon toll an der Erweiterung des Sandbockelwegs und lässt ganz viel Spielraum für Kreativität: „Kleine Sandungeheuer“. Klingt erst einmal nach Fantasiefiguren – tatsächlich geht es aber um winzige Tiere, die direkt unter unseren Füßen leben und die man normalerweise einfach übersieht.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass der Ameisenlöwe tatsächlich kleine Trichter in den Sand gräbt und dort geduldig auf seine Beute wartet? Oder dass der Bienenwolf zwar ziemlich gruselig klingt, für Menschen aber völlig ungefährlich ist? Er betäubt Wildbienen, bringt sie in seine Brutröhre und versorgt damit seinen Nachwuchs – ziemlich raffiniert für so ein kleines Insekt.

Unterwegs begegnen wir auf den Infoschildern außerdem ein Fallkäfer, der sich bei Gefahr einfach blitzschnell auf den Rücken fallen lässt, der flinke Dünen-Sandlaufkäfer, der seine Beute sogar im Laufen jagt, die hervorragend getarnte Gefleckte Keulenschrecke oder die seltene Kreuzkröte, die lockere Sandflächen als Lebensraum liebt.

Das Schöne daran: Die Tafeln erzählen nicht einfach nur Fakten. Immer wieder gibt es kleine Mitmachaufgaben. Mal sollt ihr mit einer Lupe einen Käfer genauer betrachten, mal die Brutröhren des Bienenwolfs entdecken oder ganz still werden und lauschen, ob ihr den Gesang der Keulenschrecke hören könnt. Genau dadurch haben wir noch viel genauer hingeschaut. Und tatsächlich haben bei das ein oder andere beschriebene Tier oder ihre Spuren direkt entlang des Weges entdeckt. So wurde aus einem ganz normalen Waldspaziergang eine kleine Entdeckungstour.

Entdecken statt Daueraction

Wer einen klassischen Erlebnispfad mit Klettergerüsten, Wasserspielen oder riesigen Abenteuerstationen erwartet, wird hier vielleicht überrascht sein. Der Sandbockelweg ist deutlich ruhiger.

Dafür gibt es unterwegs kleine Mitmachstationen. Mal könnt ihr mit einem Fernglas die Umgebung erkunden, an anderer Stelle Moggelsteine werfen oder eure Sinne ausprobieren. Gerade diese ruhige Art hat uns gut gefallen. Der Weg nimmt Kinder ernst und zeigt ihnen, dass ein spannender Ausflug nicht immer laut oder spektakulär sein muss.

Zwischen Wald, Sand und Bahnstrecke

Abwechslungsreicher wird die Runde auch  durch die unterschiedlichen Landschaften. Immer wieder führt der Weg an Sandabbaugebieten vorbei. Die Sandweiher dürfen zwar nicht betreten werden, von oben bieten sie aber schöne Ausblicke.

Foto: Bianca Pauler

Ein echtes Erlebnis ist die Bahnstrecke, die den Weg kurz nach Beginn ein Stück begleitet. Wenn plötzlich ein Zug vorbeifährt, während man mit der Lupe was untersucht, wird das noch etwas spannender.

Hinweise für heiße Sommertage

Wir haben den Sandbockelweg im Hochsommer gemacht und gehofft, durch den schattigen Wald in einer etwas kühleren Umgebung zu laufen. Allerdings sind das nur einige Abschnitte des Weges. Der Rest des rund 4 Kilometer langen Familienpfad führt durch die pralle Sonne. Mit Sonnenhut, ausreichend Getränken und einer Tour am Vormittag oder späteren Nachmittag lässt sich der Weg schon meistern. Allerdings würden wir ihn eher an bewölken Tagen bzw. im Frühling oder Herbst empfehlen. Dann zeigt sich die Landschaft noch einmal von einer ganz anderen Seite.

Unser Sandungeheuer-Familienfazit

Der Sandbockelweg ist kein Wanderweg, der mit großen Attraktionen beeindrucken möchte. Seine Stärke liegt vielmehr in den vielen kleinen Entdeckungen entlang des Weges. Besonders die Ergänzung durch den Naturlehrpfad „Kleine Sandungeheuer“ macht die Runde heute noch einmal interessanter. Er macht Kinder neugierig auf etwas, woran sie sonst wahrscheinlich einfach vorbeilaufen würden. Nach der Runde haben wir jedenfalls deutlich öfter auf den Boden geschaut als vorher – und genau das ist wahrscheinlich das größte Kompliment, das man einem Naturlehrpfad machen kann.

Diesen Artikel teilen:

Kommentar verfassen