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Exklusiv: Eine Winternacht im Hausboot am Brombachsee

Das schwimmende Ferienhaus, das seit dem Frühjahr 2017 im Segelhafen von Ramsberg liegt, ist eigentlich nur ein Musterhaus. Es steht exemplarisch für die knapp 20 Floating Houses, die bald schon auf dem Großen Brombachsee schwimmen. Übernachten kann man dort noch nicht, aber für den SeenLandBlog durfte ich eine Ausnahme machen und eine herrlich gemütliche Winternacht auf dem Hausboot verbringen. Was daran so toll ist? Ich glaube, die folgenden Bilder sprechen für sich…

Es ist klirrend kalt in dieser Winternacht. Im Ramsberger Hafenbecken, rund um das schwimmende Ferienhaus, ist die Wasseroberfläche des Brombachsees gefroren. An einigen Stellen ist die Eisdecke aufgebrochen und treibt in vielen kleinen Eisschollen umher. Wenn sie aneinanderschlagen, klingt es, als ob der See auf einem gläsernen Xylophon spielt. Kling klong, kling klong…

Das und die entfernten Rufe der Wildgänse sind die ersten Geräusche, mit denen ich auf dem Floating House aufwache. Sonst ist hier nur Stille. Der Segelhafen ist leergefegt. Die vierhundert Boote, die sonst hier vertäut sind, warten in ihren Winterquartieren auf den nächsten Sommer. Auch die typischen Seegeräusche – lachende Kinder, quiekende Möwen, plätschernde Wellen – gibt es im Winter nicht.

Ist das schlimm? Überhaupt nicht, finde ich. Ganz im Gegenteil. Ich genieße die Stille, die Ruhe am winterlichen Brombachsee. Jeder schreit doch nach Entschleunigung, und hier bekommt man sie. Noch vor allen anderen Urlaubern durfte ich für den SeenLandBlog eine Nacht auf dem schwimmenden Ferienhaus im Ramsberger Hafen verbringen, um einen Eindruck davon zu bekommen, dass man hier ganzjährig Urlaub machen kann. Diese Mission ist geglückt: Ich bin überzeugt davon, dass die Übernachtung auf dem Wasser gerade im Winter einen ganz besonderen Reiz hat.

Mein Testwohnen ist erst mal mit ein paar organisatorischen Hürden verbunden. Das Floating House, das derzeit im Ramsberger Hafen liegt, ist ein Musterobjekt. Investoren können es besichtigen, ein Hausboot als Renditeobjekt erwerben und an Urlauber vermieten. Das Musterhaus ist komplett ausgestattet: Zwei Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer. Strom gibt es, und eine Wärmepumpen-Heizung ebenfalls. Kuschelig warm ist es also.

Nur einen Wasser- und Abwasseranschluss hat das Musterhaus nicht, Bad und WC sind komplett unbrauchbar. Für mich und meine Test-Übernachtung bedeutet das: Wasser-Vorräte einpacken, Zähneputzen über der Reling auf der Terrasse, Abspülen im Eimer, und mit dem Auto auf die Toilette fahren. Die liegt nämlich im Büro des Zweckverbands Brombachsee.

Diese kleinen sanitären Hürden nehme ich aber gerne in Kauf, um mit einer lieben Freundin einen entspannten Mädelsabend auf dem Floating House zu verbringen. Mit einem leckeren Take-Away-Abendessen vom Asia-Imbiss in Pleinfeld und einem Glas Wein lassen wir den Tag ausklingen.

 

Die Aussicht über den See in dem rundum verglasten Hausboot ist dabei gigantisch. Mit sanften Farben in rosa und violett geht die Sonne unter, die folgende „blaue Stunde“ lässt die Grenze zwischen Himmel und Wasser verschwinden. Und sobald es dunkel ist, sieht man am Seeufer gegenüber die Lichter des Enderndorfer Hafens, die sich in der glatten Wasseroberfläche spiegeln. Das ringt sogar dem größten Zyniker ein paar romantische Gefühle ab.

Die Nacht auf dem Boot ist ruhig. Gemütlich eingekuschelt liege ich im Bett und lausche dem Klimpern der Eisbrocken. Schaukeln tut das Hausboot übrigens nicht: Der tonnenschwere Beton-Ponton, auf dem das Haus im Wasser schwimmt, sorgt für eine ruhige Lage und verhindert Seekrankheit.

Am nächsten Morgen höre ich als erstes das Schnattern der Wildgänse, und während wir frühstücken, fliegen sie über den See. Ehrlich – mehr Idylle geht nicht. Ich genieße meinen dampfenden Kaffee auf der Terrasse, schaue auf das Wasser und frage mich nur eins: Kann ich bitte für immer hier bleiben?

 


Gebaut werden die Schwimmdomizile von der Berliner Firma Floating House GmbH. Das Unternehmen hat bereits zahlreiche Ferienhausflotten in Norddeutschland und Dänkemark realisiert, von der Mecklenburgischen Seenplatte bis zur Ostsee. Im Süddeutschen Raum sind die schwimmenden Ferienhäuser bislang einmalig, das Fränkische Seenland setzt hier ganz neue Maßstäbe.

Die Häuser sind für einen komfortablen Urlaub auf dem Wasser perfekt ausgestattet. Auf einer Wohnfläche von 44 Quadratmeten befinden sich zwei Schlafzimmer, ein WC, ein Badezimmer, und einen Wohn-Essbereich mit Rundum-Panoramablick. Heiße Sommertage verbringt man auf einer von zwei Terrassen, die auf eine Gesamtfläche von 40 Quadratmetern kommen. Und selbst kalte, raue Winterabende kann man auf der Couch vor dem prasselnden Kamin herrlich genießen.

Ab Juli können die ersten Feriengäste in die schwimmenden Häuser einziehen. Insgesamt vier Personen finden in den beiden separaten Schlafzimmern Platz, eine Nacht kostet ab 149 Euro. Die Vermietung der Floating Houses am Großen Brombachsee läuft über die Firma Eco-Lodges, Tel. 089 / 511 10 201, info@eco-lodges.de. www.eco-lodges.de


 

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1 Kommentar zu “Exklusiv: Eine Winternacht im Hausboot am Brombachsee”

  1. Die Stimmung im Ramsberger Hafen hast Du sehr treffend beschrieben. Da bekomme ich sofort Lust, wieder auf dem See zu übernachten. In meinem Fall auf dem Boot und nicht im schwimmenden Ferienhaus.

    https://kerstinundsyshadow.wordpress.com/2017/04/25/schneesegeln/

    Gruß,
    Kerstin

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