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Großes Theater auf den Bühnen des Seenlands

Was haben der Führer, Robin Hood und ein gewisser Lebkuchenmann gemeinsam? Auf den ersten Blick erst mal nicht so viel. Aber: Alle drei kommen heuer ins Fränkische Seenland, zumindest auf der Bühne. Theaterfans dürfen sich diesen Sommer über spannende Stücke mit tollen Schauspielern freuen. Besonders tut sich das Bergwaldtheater in Weißenburg hervor: Anlässlich des 90-jährigen Geburtstags der Naturbühne hat die Stadt Weißenburg ein eigenes Stück in Auftrag gegeben, und obwohl die Premiere erst im Juli ist, hat schon so manch einer Bekanntschaft mit dem mysteriösen „Lebkuchenmann“ gemacht.

Der Weißenburger Stadtwald ist 2806 Hektar groß. Das sind mehr als 3900 Fußballfelder. Oder: Dreimal so viel Fläche wie der Große Brombachsee. Also eine hübsche Menge Wald.

Und dieser Wald gehört der Stadt Weißenburg auch schon recht lange. 681 Jahre, um genau zu sein. Die Bäume, Steine und Bäche haben also schon vieles mitbekommen aus der Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner, und sie könnten mit Sicherheit so einige Geschichten erzählen. Von Kriegen, Hexenverfolgungen und Aufmärschen, von großen und kleinen Schicksalsschlägen der Bürger.

Der Lebkuchenmann kommt

Der Wald selbst erzählt zwar nichts von alldem, aber das Theaterstück „Der Lebkuchenmann“ tut es. Und zwar direkt am Ort des Geschehens, im Wald. Im Bergwaldtheater, um genau zu sein. Wie der Name schon sagt: Das ist ein Theater auf dem Berg im Wald. Eine Naturbühne in einem alten Steinbruch, umgeben von Bäumen, auf dessen Wurzeln die Besucher Platz nehmen können.

Das Bergwaldtheater. Foto: Ralph Goppelt

Heuer feiert das Theater seinen 90. Geburtstag, und zu diesem Jubiläum hat es mit dem Lebkuchenmann ein eigenes Stück geschenkt bekommen. Premiere ist am 12. Juli.

Ein ziemlich präsentes Theaterprojekt

„Der Lebkuchenmann“ ist aber kein Stück, das einfach auf der Bühne gespielt und dort von wenigen kulturbegeisterten Besuchern beklatscht wird. Es ist ein Projekt über, von, aus und mit Weißenburg. Es hat schon damit angefangen, als 2017 der preisgekrönte Autor Franzobel im Auftrag der Stadt für 100 Tage nach Weißenburg zog, um herumzuschnüffeln. Oft sah man ihn durch die Straßen gehen, in Cafés sitzen, mit Menschen sprechen.

Autor Franzobel. Foto: Uli Wagner

Er lernte die Eigenheiten der Mittelfranken kennen, stöberte Geschichten auf. Und dann zog er sich zurück, um das Gehörte und Gelernte dem Bergwaldtheater als Stück auf den Leib zu schneidern. Heraus kam der Lebkuchenmann.

Seitdem begegnet der Lebkuchenmann den Weißenburgern immer wieder. Egal ob als aufgesprühte Logos auf den Pflastersteinen des Marktplatzes, in öffentlichen Proben mitten in der Stadt oder in Form von Flugblättern, die nach Statisten suchen. Denn: Die Mitwirkenden sind eine bunte Mischung aus prominenten Schauspielern (Franken-Tatort-Kommissar Andreas Leopold Schadt!) und Weißenburger Bürgern. Insgesamt stehen rund 100 Menschen auf der Bühne.

Zahlreiche Weißenburger Bürger wirken mit.

Andreas Leopold Schadt, bekannt aus dem Franken-Tatort, spielt den Lebkuchenmann. Foto: Antonia Rieger

Die Story: Ominöse Begegnungen im Wald

In der offiziellen Beschreibung wird der Inhalt folgendermaßen umrissen:

„Der Lebkuchenmann“ ist ein historischer Sommernachts(alp)traum: Protagonist Paul stolpert nach einem Autounfall halb im Delirium durch den Weißenburger Stadtwald. Ihm begegnen dort nicht nur seltsame Wesen, sondern auch längst vergangene Episoden der Weißenburger Stadtgeschichte.

In diesem zunehmend magischen Wald überlagern sich Zeiten und Realitäten. Paul beginnt Einfluss zu nehmen und sieht die Geschichte einer Kleinstadt an sich vorbeiziehen, die nicht nur für Weißenburg, sondern für die Welt steht. Es entsteht ein beklemmender, spannender, spektakulär inszenierter Stoff, der weit über die fränkische Kleinstadt hinausweist.

Der Lebkuchenmann übrigens ist, soweit ich das verstanden habe, ein guter Kerl. Der Moralapostel des Stadtwalds, der sich gegen die böse Erlkönigin stellt.


Der Lebkuchenmann

  • Premiere: Freitag, 12. Juli, 20.15 Uhr
  • Weitere Termine: Sa. 13.07., So. 14.07., Fr. 19.07., Sa. 20.07., So. 21.07., Do. 25.07., Fr. 26.07., Sa. 27.07., So. 28.07. Beginn jeweils um 20.15 Uhr.
  • Tickets: Im Kulturamt Weißenburg, Online oder an der Abendkasse
  • Info: www.derlebkuchenmann.de
  • Das komplette Bergwaldtheater-Programm: http://www.bergwaldtheater.de

Altmühlsee-Festspiele: Er ist wieder da

Die Altmühlsee-Festspiele in Muhr am See sind aus dem Theatersommer im Fränkischen Seenland nicht wegzudenken. Laue Abende im Open-Air-Theater, toll ausgewählte Stücke und gute Schauspieler. Auch die Altmühlsee-Festspiele haben heuer Geburtstag, das 15-jährige Bestehen wird gefeiert. Aus diesem Anlass hat Intendant Harald Molocher ein spannendes Jubiläumsprogramm ausgetüftelt.

Und das wird was. Denn: Er ist wieder da. Wer? Der Führer. Der Führer höchstpersönlich. So jedenfalls passiert es in dem Bestseller „Er ist wieder da“ von Timur Vernes. Adolf Hitler landet durch mysteriöse Umstände unversehrt in der heutigen Zeit. Was wird passieren? Wie werden die Menschen reagieren? So viel sei verraten: Es kommt ziemlich anders, als man denkt. Schräg und skurill, voller Ironie und Gesellschaftssatire. Darauf darf man ziemlich gespannt sein.


Altmühlsee-Festspiele

  • Weitere Stücke der Spielzeit 2019: Michael Endes Klassiker „Momo“, „Verrücktes Blut“ und „Paradiso“.
  • Premiere ist am 13. Juni, das letzte Stück wird am 20. Juli aufgeführt.
  • Informationen zu den einzelnen Stücken und Ticket-Vorverkauf: Internetseite der Gemeinde Muhr am See

Robin Hood im Pfofeld Forest

Auch in Pfofeld wird heuer ein Jubiläum begangen. Das Freiluft-Theater wird 20 Jahre alt! Und zur Geburtstagsparty kommt kein geringerer als Robin Hood. Dieses Stück hat sich die Laien-Schauspielgruppe „Vorhangreisser“ für dieses besondere Jahr ausgesucht. Mehr als 50 Mitwirkende spielen mitreißende Kampfszenen, singen live und verlegen den Sherwood Forest direkt nach Pfofeld.

Das Pfofelder Sommertheater ist vor allem aus zwei Gründen absolut besuchenswert. Erstens: Die Kulisse an der alten Kapellruine inmitten von Wiesen und Feldern ist wunderschön. Zweitens: Es ist erstaunlich, wie toll die Pfofelder Dorfgemeinschaft alle zwei Jahre diese Bühnenproduktionen stemmt. Ein Laientheater zwar, aber ein äußerst engagiertes und sehenswertes.


Robin Hood, das Musical – Pfofelder Sommertheater


 

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