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Fränkischer WasserRadweg – die Rundtour West, Teil 2

Teil 2 der westlichen Rundtour des Fränkischen WasserRadwegs führt unsere Gastautorin Jessica Pitterle von Dinkelsbühl über Feuchtwangen nach Rothenburg ob der Tauber. Flüsse, Seen und Burgenromantik: Die Produktmanagerin ist bei ihrer Tour selbst ganz begeistert von der Vielfalt des 2019 eingeweihten Radwegs.


Hier geht’s zu Teil 1: Von Gunzenhausen über Wassertrüdingen nach Dinkelsbühl. 


Am nächsten Tag spielt zum Glück der Wettergott wieder mit – es regnet nicht. Und so geht es direkt nach dem Frühstück los in Richtung Rothenburg ob der Tauber, meinem heutigen Etappenziel.

Der Wind bläst recht kräftig – für heute sind bis zu 28 Knoten Wind (ca. 52 km/h) angesagt. Was mich als Seglerin freuen würde, ist beim Radfahren nicht ganz willkommen. Und wie beim Segeln habe ich auch beim Radeln den Wind irgendwie immer „auf die Nase“ – also direkt von vorn. 

Entlang der Wörnitz nach Feuchtwangen

Vorbei an zahlreichen Mühlen entlang der Wörnitz – unter anderem der „Unsinnigen Mühl“, einer ehemaligen Ölmühle, erreiche ich Feuchtwangen. Ein kleiner Abstecher zum Ort der Festspiele, dem Kreuzgang. Der romanische Kreuzgang ist wirklich einen Besuch wert. Egal aus welchem Blickwinkel man schaut, man kann immer wieder Neues entdecken. 

 

Ab Feuchtwangen folge ich dem Verlauf der Sulzach, einem Zufluss der Wörnitz. Nach der Unterquerung der Autobahn fahre ich durch Kloster Sulz, hier ist ein Prämonstratenserinnenkloster (ja, das musste ich auch erstmal googeln ☺).

Kloster Sulz ist übrigens auch ein guter Einstiegspunkt, wenn man den Fränkischen WasserRadweg fahren möchte und mit dem Zug anreist. Aus Stuttgart oder Nürnberg gibt es Direktverbindungen und man kann ohne Umstieg nach Dombühl fahren – und von hier ist es nur ein Katzensprung nach Kloster Sulz.

Der Fränkische WasserRadweg verläuft relativ eben. Vor Schillingsfürst merke ich dann aber, dass relativ eben relativ ist – und man doch auch mal eine Steigung bewältigen muss. Dafür wird man belohnt – mit einem herrlichen Ausblick und einem wunderschönen Biergarten bei Schloss Schillingsfürst.

Über Schillingsfürst ins romantische Rothenburg

Ab Schillingsfürst folgt man einer alten Bahnlinie – das ist recht bequem, es geht sanft bergauf und bergab und fast immer geradeaus entlang der Tauber. Während die Sulzach über Wörnitz und Donau ins Schwarze Meer fließt – fließt die Tauber über Main und Rhein in die Nordsee. Ich habe also die europäische Hauptwasserscheide überquert!

Das heutige Etappenziel Rothenburg ob der Tauber erwartet mich mit Sonnenschein. Die historische Altstadt ist weltberühmt und ich bin schon sehr gespannt auf die Stadtführungen – am Tage und mit dem Nachtwächter, heute ist Kultur hoch² angesagt! 

Wer in Rothenburg übernachtet, sollte auf jeden Fall einen Rundgang mit dem Nachtwächter erleben. Und gerade dann, wenn man schon nachmittags eine „normale“ Stadtführung hinter sich hat, ergänzt der Nachtwächter von Rothenburg die Geschichten von tagsüber wunderbar mit Anekdoten aus der Nacht.

Am nächsten Morgen bin ich dann überrascht. Die Wettervorhersage wurde geändert: Es soll den ganzen Tag strahlender Sonnenschein sein. Also kann ich mir beim Frühstück Zeit lassen. Heute merke ich, dass ich nun insgesamt schon über 120 km hinter mir habe. Für meine nächste Tour muss ich definitiv eine Radunterhose einpacken. 

Burg Colmberg, Ansbach und Wolframs-Eschenbach

Nach dem Start und einem letzten Blick auf Rothenburg unterziehe ich die Wettervorhersage einem Realitätscheck: Durchgefallen. Von Sonne keine Spur, es sieht eher ziemlich apokalyptisch aus: Windböen und Wolken, die scheinbar direkt am Boden festgemacht sind. Vorbei an Neusitz finde ich nun auch endlich mal einen Grund für eine Beanstandung: Ein umgekippter Baum ragt in den Radweg hinein (der wurde inzwischen schon entfernt ;-)). 

Die Sonne bleibt weiter ein Gerücht – und so sieht es wirklich mystisch aus, wie die Burg Colmberg so aus dem Nebel auftaucht. Man kann richtig spüren, wie diese Burgen früher abschreckend gewirkt haben müssen.

Bei Ziegelhütte treffe ich nun auf die Fränkische Rezat. Ich folge ihr bis nach Ansbach. Der Fränkische WasserRadweg führt mitten durch die Altstadt – man macht also eine kleine Stadrundfahrt, vorbei an tollen Kunstwerken und barocken Bauten. Kaspar Hauser begegnet mir am Wegesrand – allerdings nur auf einem Hinweisschild. 

Das nächste Ziel ist Wolframs-Eschenbach. Vorbei an Sachsen bei Ansbach und Lichtenau, immer an der Fränkischen Rezat entlang. Falls irgendjemand nach dem versprochenen Sonnenschein fragt – den gibt es nicht. Keine Sonne. Passt aber irgendwie zum Herbst und ich habe bei der Auswahl meiner Kleidung gute Entscheidungen getroffen: Mir ist warm – dank leichter Hybridjacke und Handschuhen. 

In der Stadt des Minnesängers Wolframs-Eschenbach endet meine Radtour auf dem Fränkischen WasserRadweg. 


Mein Fazit

Ein wirklich schöner und abwechslungsreicher Radweg. Immer wieder bieten sich neue Aus- und Einblicke, gerade die Durchfahrten durch die Städte finde ich spannend – oft fährt man einfach nur außen vorbei und verpasst die vielen kleinen Details. Die Vielfältigkeit auf kleinstem Raum ist wirklich toll. 

Flüsse. Seen. Burgromantik. All das und noch viel mehr habe ich auf meiner Radtour erleben dürfen. Meine Highlights? Das ist wirklich schwer zu sagen. Allerdings – die kleinen Städte abends zu erleben, das hat mir doch sehr gefallen. Es lohnt sich also, eine längere Radtour zu machen und unterwegs zu übernachten.
Was würde ich anders machen? Nicht viel – nur eben die erwähnte Radunterhose mitnehmen – am zweiten Tag hätte ich sie gerne gehabt, am dritten Tag habe ich sie dann schmerzlich vermisst. 

Es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich eine mehrtägige Radtour gemacht habe. Die Runde, die ich gefahren bin, kann man ganz einfach nachfahren – sie ist ganz neu als Rundtour West auf unserer Website abrufbar.


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