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Der Jakobsweg im Fränkischen Seeland – Wir Pilgern! Teil 2

Da waren wir also an unserem nächtlichen Zwischenstopp, der Burg Wernfels. Der Jakobsweg hierher, von Abenberg nach Wernfels, hat ca. 3,5 Stunden gedauert und führte uns durch traumhaft herbstliche Landschaften. Wir sind an einer Burg gestartet, kamen an einem herrschaftlichen Schlossanwesen und zwei Kirchen vorbei und kehrten in einem typisch fränkischen Biergarten ein. Immer auf der Suche nach der nächsten Muschel. Das Ganze könnt ihr hier nachlesen.

Der Weg am zweiten Tag ist laut Karte zwar um einiges kürzer, aber wir müssen deutlich mehr Höhenmeter hinter uns bringen. Doch zuerst genossen wir ein wenig mittelalterliches Flair.

Schlafen in historischen Gemäuern

In der Jugendherberge Wernfels haben wir uns also für eine Nacht einquartiert und treffen dort auch auf mehrere Familien mit Kindern, die den unkomplizierten Umgang dort zu schätzen wissen. Es gibt viele verwinkelte Ecken in der Burganlage zu entdecken, die Zimmer sind teils in alten Gemäuern mit hohen Gewölbedecken und der Blick über die Burgmauer enthüllt sogar einen Pool mit herrlicher Aussicht – zu dieser Jahreszeit aber natürlich schon abgedeckt. Wir bezahlen dort pro Kopf 57€ und kriegen dafür Abendessen und Frühstück serviert.

Noch ein kleiner Tipp: Eigene Handtücher mitnehmen, die gibt es sonst nur gegen Gebühr.

Was man unbedingt an der Burg Wernfels gemacht haben muss:

  • Folge dem „Geheimgang“ an der Südseite der Außenmauer entlang runter ins Dorf. Dort kommt man direkt beim Werzinger Hof raus. Gönn dir ein Eis aus eigener Herstellung. Super praktisch: Es gibt auch einen Eisautomaten direkt vor der Tür!
  • Schnapp dir eine Flasche Wein und folge dem Kirchenweg hinter der Burg ein Stück hinauf in Richtung Theilenberg. Dreh dich um, genieße die wahnsinnstolle Aussicht und lass den Abend auf der Rastbank ausklingen.
  • Steh ganz früh auf und genieße zum morgendlichen Kirchenläuten den Sonnenaufgang von der Burgmauer aus.

Am letzten November-Wochenende gibt es am Werzingerhof übrigens eine „Weihnachts-Eis-Verkostung To-Go“. Ich war die letzten beiden Jahre dabei und ich kann nur sagen: Wer einmal richtig leckeres Weihnachts-Eis probieren will, der sollte sich das nicht entgehen lassen!

Es geht weiter!
Tag 2: Von Wernfels nach Kalbensteinberg

Nach dem Frühstück holen wir unseren zweiten Pilgerstempel und verlassen dann wieder mit leichtem Gepäck die Jugendherberge in Richtung Theilenberg. Der Weg führt uns den Berg hoch zum höchsten Punkt unserer Wanderung. Dort sehen wir uns die katholische Pfarrkirche St. Wenzelaus an und drücken gleich noch einen weiteren Stempel in unser Reisetagebuch. Und dann geht’s los! Wir tauchen ein in einen zauberhaften Wald und von nun an geht’s ein ganzes Stück bergab. Und dann, wer hätt’s gedacht, alles wieder bergauf.

Wir kommen ein wenig außer Atem aus dem Wald heraus und werden wieder einmal mit einer tollen Aussicht belohnt. Das muss man der Strecke einfach lassen, sie geizt nicht mit tollen Fotomomenten. Vor uns liegt Kalbensteinberg, gerahmt zwischen grünen Obstbaumhügeln und – als hätte man sie extra schön hindrapiert – eine grasende Kuhherde.

Kennt ihr Waldbaden? Dabei verbringt man bewusst Zeit im Wald um sich zu entschleunigen. Miri hat es einmal für uns ausprobiert, das könnt ihr, wenn ihr auf das Bild klickt, nachlesen und vor allem auch nachmachen!

Ein „Schatzkästlein Frankens“

Wir sind nun am Ziel unserer Pilgerwanderung angekommen, aber auf uns wartet noch ein Highlight: Die Rieter-Kirche!

An der berühmten spätgotischen Pilgerkirche genießen wir erstmal das Gefühl „es geschafft zu haben“ und die warme Herbstsonne auf einer Bank im Pfarrgarten.

Bereits im Mittelalter war dies schon eine bekannte Station auf dem Jakobsweg und auch heute noch führt uns die Muschel direkt an dieser Kirche vorbei. Im Laufe der letzten zwei Jahre wurde dort der Dachstuhl aufwendig saniert, denn im Inneren verbergen sich viele wertvolle Fundstücke verschiedener Epochen.

 

Ein Sammelsurium an Kunst

Wir werden schon von Pfarrerin Ehemann erwartet, die uns durch die Geschichte der Kirche führt: Diese wurde 1464 von der Patrizierfamilie Rieter aus Nürnberg erbaut. Um 1600 von Hans Rieter mit immer mehr Kunstschätzen gefüllt, als er im Zuge der Reformation zahlreiche Kunstwerke vor der Verbrennung rettete. Deswegen erkennt man oft kein richtiges Konzept hinter den Figuren und Abbildungen untereinander, da sie teils wahllos aufgereiht wurden ohne etwas miteinander zu tun zu haben.

Zufallsanordnung von links: Ein Ritter, auf dessen Schild das Rieter-Wappen aufgemalt ist, St. Petrus, Maria mit dem Kind, hl. Sebastian am Marterpfahl.

Frau Ehemann zeigt uns viele versteckte Details und erzählt uns spannende Episode. Zum Beispiel über den Entführungsversuch des fast lebensgroßen Palmesels oder die weinende Terrakotta-Maria mit Kind. Besonders beeindruckend fand ich die zahlreichen Wappen und Totenschilde der Rieter. Die Rieter präsentierten sich damals sehr gerne selbst. Und sogar eine Frau hat es hier an die Ahnenwand geschafft. Sie war wohl irgendwie verwandt mit den Rietern und soll sich angeblich auf einem Markgrafenfest zu Tode getanzt haben.

Pfarrerin Ehemann und ihr Verlobter zeigen uns Fotos von der verschlossenen Gruft unter unseren Füßen.

Echte Mumien in Kalbensteinberg

Etwas ganz Besonderes befindet sich auch noch unter unseren Füßen. Im Keller der Kirche ist von Hans Rieter, anlässlich des Todes seiner Frau, eine eigene Gruft angelegt worden. Dort liegen heute noch mehrere Verstorbene der Familie Rieter. Man hat diese Ende des 18. Jahrhunderts von den alten Holzsärgen sicher in Glassärge umgesiedelt und das Betreten der unterirdischen Kammer zur weiteren Erhaltung der Mumien verboten. Durch eine Glasplatte im Fußboden kann man aber dennoch einen guten Blick darauf erhaschen. Ganz schön aufregend.


Wer mehr über die Geschichte der Rieter-Kirche und die vielen Schätze in ihrem Inneren erfahren will, sollte unbedingt einmal eine richtige Führung machen! In den Sommermonaten wird dies immer regelmäßig angeboten, aber man kann als Gruppe auch außerplanmäßig einfach mal beim Pfarramt in Kalbensteinberg anfragen. Dort wird euch bestimmt geholfen.


Meine Highlights an Tag 2:

  • Einsamer Spaziergang durch den Burghof bei Sonnenaufgang
  • Mystischer Waldweg zwischen Theilenberg und Kalbensteinberg in gelber Herbstpracht
  • Spannende Führung durch die Rieter-Kirche

Infos zur Strecke

  • Weg: ca. 4 km, sehr bergig, viel Waldweg
  • Zeit (inkl. Sightseeing):
    ca. 2 Stunden

Und jetzt?

Ich hab ja ganz vergessen zu erwähnen das wir uns an der letzten Station natürlich auch noch den vierten Stempel unserer Tour geholt haben. Da ich uns leider zu spät den originalen Pilgerpass bestellt habe musste ich die Stempel alle auf einer leeren Notizbuchseite verewigen. Aber ich hab Blut geleckt und der Camino ist lang. Und auch durch das Fränkische Seenland führen noch viele Kilometer unentdeckte Pilgerwege. Besonders die Umgebung rund um das Kloster Heidenheim ist dabei bestimmt einen Besuch wert.

Vielleicht sammeln wir ja alle zusammen? Jeder in seinem eigenen Notizbuch. Stempel und Erinnerungen aus unterschiedlichsten Orten. Und zusammen haben wir dann ein ganzes Stück Jakobsweg gemeinsam gepilgert. 🙂

Jakobsweg

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1 Kommentar zu “Der Jakobsweg im Fränkischen Seeland – Wir Pilgern! Teil 2”

  1. Anja sagt:

    Vielen Dank für den Einblick ins „kurze“ Pilgern. Ich kenne die Strecke und die schönen Ausblicke. Pilgern tut gut! Mit Unterbrechnungen und vielen kleinen Etappen habe ich es schon bis Meersburg am Bodensee geschafft.

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