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Leseherbst: Neue Bücher rund um das Fränkische Seenland

Die Blätter färben sich langsam bunt, das Licht verändert sich, die Tage werden kürzer und die Temperaturen sinken. Der Herbst ist zweifellos im Anmarsch und für mich ist Herbstzeit ganz klar Lesezeit. Schon in den vergangenen Jahren hab ich euch Bücher vorgestellt, die im Fränkischen Seenland spielen oder von Autoren aus der Region zu Papier gebracht wurden (siehe Links am Ende). Und auch für den Herbst 2020 möchte ich euch neuen (oder neu entdeckten) Lesestoff mit Lokalkolorit empfehlen.

Kurzkrimis: Tatort Fränkisches Seenland

Ganz frisch aus dem Ars Vivendi Verlag ist der Kurzkrimiband „Tatort Fränkisches Seenland“ geschlüpft. Das freut mich sehr, denn fränkische Lokalkrimis und Kurzgeschichtenbände sind eine Spezialität des Verlags – nur das Fränkische Seenland hat bisher gefehlt. Diese Lücke wurde nun geschlossen und ich bin sofort in die Buchhandlung meines Vertrauens geschlappt, um das Werk in meine Sammlung aufzunehmen.

Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich leider ziemlich enttäuscht bin über das Buchcover. Das Fränkische Seenland bietet so wunderschöne Motive, und der Ars Vivendi Verlag gestaltet eigentlich immer recht ansprechende Buchdeckel. Dass das Seenland mit einem recht blassen, nichtssagenden Bild vom (ich vermute) Brombachsee vermarktet wird,  finde ich sehr bedauerlich.

Aber wie sagt ein altes Sprichwort so schön? „Don’t judge a book by its cover“ – bewerte ein Buch nicht nach seinem Einband. Und tatsächlich ist das, was sich zwischen den Buchdeckeln befindet, recht gefällig. Jeder der sieben Seen hat einen eigenen Kurzkrimi bekommen, der Dennenloher See und der Hahnenkammsee ebenso wie Großer und Kleiner Brombachsee, Altmühlsee, Igelsbachsee und Rothsee.

Hübsches Detail: Zu Beginn der Texte ist die Silhouette des jeweiligen Gewässers abgedruckt. Dazu gibt es noch zwei Geschichten aus dem malerischen Städten Wolframs-Eschenbach und Abenberg. In die Tasten gehauen haben regionale Krimiautoren wie etwa Tessa Korber, Leonhard F. Seidl oder Tommie Goerz.

Um die Lesefreude nicht kaputt zu machen, möchte ich nur einen Kurzkrimi exemplarisch vorstellen. „Immer schön entspannt bleiben“ von Pauline Füg spielt am Dennenloher See beziehungsweise im Schlosspark Dennenlohe. Das finde ich besonders toll, weil diese botanische und landschaftliche Perle einer meiner absoluten Lieblingsorte im Fränkischen Seenland ist.

In der Geschichte geht es um einen Yoga-Retreat am Dennenloher See. Doch anstelle von Entspannung gibt es einen Mord: Mitten im Schlosspark verschwindet während der Meditation ein Teilnehmer, nur eine Blutlache und ein blutgetränkter Gartenstecker bleiben am Tatort zurück. Kommissarin Jule Zahner muss nun herausfinden, was passiert ist…

Was ich an den Geschichten besonders liebe, ist das authentische Lokalkolorit. Man kann herauslesen, dass die Autoren tatsächlich die Orte besucht haben, über die sie schreiben. Besondere Details der Plätze werden wie nebenbei in die Story eingeflochten, wie etwa hier über den Schlosspark Dennenlohe:

Die Wege sind so schmal, dass sie leicht versetzt hintereinander über den steinigen Pfad gehen, über schmale Brücken, vorbei an blühenden Sträuchern und Bonsais. (…) Der halbe Weiher ist voller Seerosen, die zartrosé bühen. Frösche hüpfen von Blatt zu Blatt.“

– Pauline Füg: Immer schön entspannt bleiben –

Mein Fazit: Ein Buch, dass man als Seenland-Bewohner oder Urlauber unbedingt lesen sollte. Einerseits wegen der kurzweiligen Krimis. Aber auch, um die Orte im Text wiederzufinden, die man schon kennt, oder um Anregungen zu bekommen, wo man einmal hin fahren sollte.

Ein Fantasy-Krimi aus Kalbensteinberg

Es ist irgendwie auffällig, dass Autoren aus dem Fränkischen Seenland (oder jene, die über das Fränkische Seenland schreiben) hauptsächlich das Krimi-Genre bedienen. Das habe ich schon bei Mord und Totschlag im Fränkischen Seenland angemerkt.

Ein Autor aus dem Kirschendorf Kalbensteinberg aber fühlt sich eher im Fantasy-Bereich zuhause. Tobias Bachmann hat mit „Despina Jones und die Fälle der okkulten Bibliothek“ ein Buch herausgebracht, das man irgendwo zwischen Dan Brown und Sherlok Holmes ansiedeln könnte. Die Hauptfigur ist eine Nekromantin, die mit den Toten sprechen kann. Gemeinsam mit ihrem Team aus der okkulten Bücherei versucht Despina Jones, einen mysteriösen Mord in einer Kirche aufzuklären – und dabei stoßen die Ermittler auf allerlei uralte Mythen und Geschichten…

Das Buch spielt zwar nicht im Fränkischen Seenland, sondern in London. Aber in mein Bücherregal (und in meine Lese-Empfehlungen) finden auch solche Werke einen Weg, die aus einer regionalen Feder stammen. Support your local writer!

Timo Leibigs Neuer: Totenfahrt

Ebenfalls ein lokal bekannter Autor ist Timo Leibig. Mittlerweile lebt er zwar nicht mehr im Fränkischen Seenland, aber weil er in Pleinfeld aufgewachsen ist, nehme ich ihn trotzdem noch für unsere Region in Anspruch.

Seine Nanos-Krimis liegen in den Auslagen der Buchhandlungen, aber die meisten Bücher veröffentlicht Leibig im Self-Publishing. Im neuestes Werk „Totenfahrt“ schickt er seine Privatdetektivin Leonore Goldmann auf die Suche nach einem verschwundenen Reisebus. Ein ungewöhnliches, aber nicht ganz unwahrscheinliches Szenario, wie sich im Laufe der Handlung noch zeigt…

Krimis und Romane made in Wolframs-Eschenbach

Neu für mich entdeckt habe ich kürzlich die Bücher von Horst Prosch aus Wolframs-Eschenbach. Mit seinem Heimatort ist der Autor in guter Gesellschaft, schließlich kam der bekannte mittelalterliche Dichter und Minnesänger Wolfram von Eschenbach von hier. Der Ort atmet Textluft – darum ist hier auch der Literaturweg Franken angesiedelt.

Prosch schrieb die Krimis „Frankenruh“ und „Blaue Bäume“, in denen Kommissar Brendle aus Ansbach ermittelt. Ein seltsamer Typ, beschreibt Prosch seinen Protagonisten: „Schrullig, leicht mürrisch, manchmal unrasiert und nachlässig gekleidet. Allein lebend. Keine Haustiere. Er liebt seine alten, ausgetretenen Tiroler Wanderschuhe und sein Fahrrad mit echtem Kernledersattel.“

Zahlreiche Kurzgeschichten gehen ebenso auf Proschs Konto wie auch zwei Romane: „Katharinas Faible für Literatur“ und „Die letzten Tage des Hausmeisters.“ Übrigens: Eigentlich ist der Wolframs-Eschenbacher Autor hauptberuflich Bilanzbuchhalter in einer Steuerkanzlei. Das Schreiben sieht er als Ausgleich, erklärt er: „Anders wäre die Flut an Neuerungen im Steuerrecht kaum auszuhalten.“ Kann man verstehen.

📆 Buch- und Leseveranstaltungen im Herbst 📆

  • Um Gogols Erzählung „Die Nase“ dreht sich alles am 7. November in Weißenburg. Gelesen wird vom Weißenburger Stadtschreiber Clemens Berger, die Schauspielerin Katharina Susewind singt dazu aus Schostakowitschs Liederzyklus „Satiren“ und Arno Waschk spielt Klavier. Los geht’s um 20 Uhr im Wildbadsaal in Weißenburg.
  • Die Weißenburger Bücherschau ist eine kleine Buchmesse, auf der Neuigkeiten aus der Verlagswelt, derzeitige Bestseller und ausgewählte Werke der lokalen Buchhändler vorgestellt werden. Sie findet vom 10.-17. November im Wildbadsaal in Weißenburg satt, Öffnungszeiten sind täglich von 11-18 Uhr.
  • Der Weißenburger Stadtschreiber Clemens Berger ist am 10. November um 19.30 in der Karmeliterkirche bei „Wer liest, genießt“ zu Gast und eröffnet die Weißenbuger Bücherschau.
  • Am 17. November um 19.30 Uhr wird die Weißenburger Bücherschau mit einer Lesung von Hanns Zischler in der Weißenburger Karmeliterkirche beendet. Der Schauspieler ist gebürtiger Langenaltheimer und sein aktueller Roman „Der zerrissene Brief“ spielt größtenteils im Altmühltal rund um Treuchtlingen, Langenaltheim und Solnhofen.
  • Wer Bücher-Schnäppchen machen will, sollte unbedingt einmal beim Bücherflohmarkt der Allersberger Bücherei vorbeischauen! Während der regulären Öffnungszeiten der Bücherei (Montag, Freitag: 14:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag: 09:00 bis 12:00 Uhr) könnt ihr hier Lesestoff, CDs und vieles mehr günstig erstehen.
  • Wer einen Krimi nicht nur lesen, sondern live miterleben und sogar das Rätsel lösen möchte, sollte sich Tickets für das Dinner-Krimi auf der MS Brombachsee sichern. Am 16. und 17. Oktober legt der Trimaran um 19.30 Uhr ab, und zum Abendessen bekommen die Gäste gleich noch ein paar Mordfälle serviert.
  • Ebenfalls live vorgetragen werden Texte beim Poetry Slam im Kulturbahnhof in Spalt am 7. November. Poeten, Satiriker und Lyriker tragen ihre Zeilen dem Publikum vor, und wer den längsten Applaus erntet, gewinnt. Beginn ist um 20 Uhr.

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