Romantischer geht’s kaum: Der Färberturm ragt stattlich auf, es ertönt der Glockenschlag der benachbarten Stadtkirche und der Blick fällt auf das letzte Stück Wehrgang der einst stattlichen Stadtmauer von Gunzenhausen. Willkommen auf der Terrasse des „Café am Wehrgang“. Genuss pur!
Genuss neben dem alten Gefängnisturm
Der Marktplatz von Gunzenhausen ist mit seinem Leben, den Geschäften und Boutiquen, sowie dem gastronomischen Angebot extrem verlockend. Natürlich steht die wunderschöne Stadtkirche auf dem Programm des Stadtrundgangs und ein Blick auf den daneben aufragenden Färberturm darf nicht fehlen. In ihm wurden einst die Pulvervorräte der Stadt gebunkert, doch auch den ein oder anderen Dieb hatte man hier eingesperrt. Seinen Namen erhielt der Turm von einer benachbarten Färberei. Wer im Turm die Wendeltreppe hochsteigt, hat einen fantastischen Blick über das älteste Viertel der Stadt Gunzenhausen. Turmbesteigungen machen durstig, mitunter auch hungrig. Also schnell Wendeltreppe runter, links abbiegen und schon steht man vor dem „Café am Wehrgang“.

Der Flaschenhals vom Marktplatz Gunzenhausen ist die Weißenburger Straße. Gleich hinter dem alten Pulver- und Gefängnisturm liegt das „Café am Wehrgang“.
Hier befindet der Flaschenhals vom Gunzenhäuser Marktplatz. Seine breite Fläche mündet in eine schmale, von Geschäften gesäumte Straße. Wer den Marktplatz in südliche Richtung zu Fuß, mit dem Fahrrad oder motorisiert verlassen will, muss hier durch. Die Terrasse des Cafés grenzt direkt an die Straße. Schrittgeschwindigkeit ist vorgeschrieben. Da nach wenigen Metern die Einmündung in die Stadtumfahrung kommt, bleibt auch nichts anderes übrig. Das Kuriose: Die vorbeirollenden Fahrzeuge wirken nahezu meditativ. Die Blicke der Vorbeifahrenden verraten die eigene Sehnsucht, jetzt auch bei lecker Kuchen, Essen und Getränken in dieser kleinen Oase sitzen zu wollen. Nun, der Großparkplatz am Schießwasen wäre nicht weit. Für Radler bietet sich gegenüber am Wehrgang genug Platz fürs Parken der meist motorisierten Drahtesel.

Viel ist von der alten Stadtmauer nicht mehr übrig. Doch dieser Wehrgang blieb erhalten. Er ist namensgebend für das Café der Familie Baumgärtner-Gießbeck.
Ein Ort der Entschleunigung
Familie Baumgärtner-Gießbeck ist es tatsächlich gelungen, an dieser Engstelle der Stadt einen besonderen Ort der Entschleunigung zu schaffen. Die Terrasse ist wunderschön begrünt und wirkt wie ein liebevoll gestalteter Vorgarten. Beeindruckend sind vor allem die kraftvoll wirkenden Olivenbäume in Kübeln. Bin ich noch in Gunzenhausen oder doch schon irgendwo am Gardasee? Mediterranes Feeling in Mittelfranken!
Das gesamte Ambiente lebt von seiner individuellen und liebevollen Gestaltung. Das „Café am Wehrgang“ ist weit von der oft glattgebügelten und einheitsbreiigen Ausstattung vieler Ketten-Cafés entfernt. Es fühlt sich an, als würde man den Privatgarten der Familie Baumgärtner-Gießbeck betreten dürfen. Kaum schreitet man durch das Eingangstor der beiden mächtigen Olivenstämme hindurch, bleibt die Welt außen vor. Es ist seltsam, doch es funktioniert. Man nimmt Platz auf einem der bequemen Flechtstühle und verschmilzt sofort mit diesem Ambiente. Ab sofort scheint man einer eingeschworenen Gemeinschaft anzugehören, weit weg auf einer einsamen Insel, jedoch mit Blick auf das Geschehen rundherum.

Im Schatten der Türme sitzt es sich äußerst gemütlich. Rechts grüßt die Stadtkirche rüber, links erhebt sich der Färberturm.
XXL-Kuchen mit XXL-Genuss
Bekannt ist das „Café am Wehrgang“ für seine XXL-Kuchen. Die langen Stücke sind Kult! Die großen Rundkuchen passen auf keinen normalen Teller, sie werden auf länglichem Geschirr serviert. Da kann es auf dem Tisch auch mal eng werden. Mohnkuchen, Käse mit Mandarine oder Kirsch, Apfel und vieles mehr – die wechselnde Auswahl ist enorm. Gebacken wird nach eigener Aussage „mit Liebe“ im Haus. Das schmeckt man! Auch Torten und andere Verführungen werden kreiert. Sogar Kaiserschmarrn ist zu haben. Die passende Beilage zu welcher Kaffee- oder Teespezialität auch immer, dürfte hier immer zu finden sein. Es werden auch glutenfreie Kuchen angeboten. Auch auf Eis in verschiedenen Geschmacksrichtungen muss nicht verzichtet werden. Zudem wird frisch angesetzter Eistee ausgeschenkt. Geschmacksrichtungen laut Aushang: Erdbeere, Pfirsich, Rhabarber.
Das „Café am Wehrgang“ betitelt sich aber auch als Tagesrestaurant. Der Blick auf die Speisenkarte zeigt, die Auswahl ist enorm. Zu finden sind verschiedene Salate, gern ergänzt mit Tofu, Ziegenkäse, Shrimps oder Pute, luftgetrockneter Schinken, Parmesan. Was hier über die Theke kommt, sieht lecker aus und wird von den Gästen auch mit großem Appetit verspeist. Ein Frischekick für zwischendurch, der satt macht, aber nicht belastet. Auf gute Zutaten wird bei der Betreiberfamilie Wert gelegt. Die Preise gehen laut Karte von 11,90 bis 18,90 Euro.

Die XXL-Kuchen der Familie Baumgärtner-Gießbeck sind legendär. Sie werden mit „viel Liebe“ in der eigenen Backstube hergestellt. Schmeckt man auch!
Café mit integrierter Burger-Manufaktur
Während der Corona-Pandemie hat Harald „Harry“ Gießbeck auf Burger gesetzt. Was als To-Go-Geschäft zunächst nur als Lückenfüller und Überbrückung gedacht war, hat sich inzwischen etabliert. Der Titel „Burger-Manufaktur“ ist nicht nur bloßes Werbemittel, es ist Realität. Familie Baumgärtner kann nicht nur allein Kuchen und Torten. Sie begeistern inzwischen eine echte Fangemeinde mit ihren Burgern. Regionalität wird auch hier großgeschrieben. Die Burger-Karte ist umfangreich. Natürlich sind hier die Klassiker Hamburger und Cheeseburger zu finden. Auch ein Veggie steht auf der Karte. Die Abteilung „Spezial“ wird angeführt von „Viva Mexiko“ mit feurigen Jalapenos, ein „Zwiebelturm“ ist im Angebot oder auch ein „Italo“ mit luftgetrocknetem Schinken.
Es sind aber auch ganz besondere Kreationen zu haben, die sonst so schnell wohl kaum in Burger-Restaurants zu finden sind. Beispiele: der „Ziegenpeter“ mit Ziegenkäse, Walnüssen, Akazienhonig und Preiselbeeren; „Surf & Turf“ mit Bacon und Shrimps; „Rustikalo“ mit Bacon und Bratkartoffeln; „Gaggerlaspfiffer“ mit Omelette und Pfifferlingen; „Dattelkini“ unter anderem mit Datteln im Speckmantel oder „Bosporus“ mit Geflügel und spezieller Soße. Es sind noch weit mehr originelle Kreationen auf der Karte, darunter auch vegane Varianten. Diverse Zutaten und Beilagen können gegen Aufpreis bestellt werden. Die Burger-Preise gehen von 8 bis 17,50 Euro. Am Nebentisch wurde bei meinem Besuch ein Burger serviert. Er sah nicht nur verführerisch aus, sondern duftete auch so. Dem Gast war der Genuss anzusehen. Abgerundet wird das Angebot je nach Saison mit „Chili con Carne“ und Suppen.

Die Terrasse vom „Café am Wehrgang“ ist eine kleine Oase mitten in der Stadt.
Ehrlich und persönlich
Die Terrasse des „Café am Wehrgang“ ist mit Markisen und Schirmen gut beschattet. Sollte das Wetter mal nicht so mitspielen, dann steht ein großer Innenraum zur Verfügung, der eher an ein gemütliches Wohnzimmer erinnert. Auch hier ist alles individuell mit viel Liebe gestaltet. Familie Baumgärtner-Gießbeck lebt ihr Café und das macht den besonderen Charme aus. Wenn Zeit bleibt, gibt es zu den kulinarischen Verführungen einen Plausch gratis mit ihnen obendrauf. Das „Café am Wehrgang“ ist in Gunzenhausen nicht ohne Grund eine Institution. Persönlich, ehrlich, ohne Schnörkel und vor allem mit Qualität!
Das „Café am Wehrgang“ hat geöffnet:
Donnerstag bis Montag von 11.30 Uhr bis 20 Uhr.
Telefon: 09831/2082
Mobil: 0175/5628879
Mail: info@cafeamwehrgang.de
Anschrift: Café am Wehrgang, Weißenburger Straße 15, 91710 Gunzenhausen
www.cafeamwehrgang.de
Weitere Café-Checks: https://blog.fraenkisches-seenland.de/category/serien/cafe-check/
