Seen.Land.Blog

„Das Fränkische Seenland ist grundsätzlich schon sehr nachhaltig aufgestellt.“

Nachhaltigkeit ist einer der großen Trends momentan, und selten fand ich einen Trend so gut. Nachhaltiges Essen, nachhaltiger Konsum und auch nachhaltiger Tourismus: Wir alle können unser Leben so gestalten, dass unsere ökologische, soziale und wirtschaftliche Umwelt weniger in Mitleidenschaft gezogen wird. Deshalb möchten wir hier im Blog eine kleine Nachhaltigkeits-Serie auf den Weg bringen. Wo finden wir nachhaltige Angebote im Fränkischen Seenland? Was wird für Umweltschutz getan? Wie kann ich als Urlauber einen kleineren ökologischen Fußabdruck hinterlassen? Zum Auftakt habe ich ein Interview mit dem Tourismusverband-Geschäftsführer Hans-Dieter Niederprüm geführt. Ich wollte von ihm wissen: Wie nachhaltig ist das Fränkische Seenland als Urlaubsregion?

Ist ist das Fränkische Seenland eine nachhaltige Urlaubsregion?

Hans-Dieter Niederprüm, Geschäftsführer des Tourismusverbands Fränkisches Seenland

Das Fränkische Seenland ist grundsätzlich schon sehr nachhaltig aufgestellt. Durch die enge Vernetzung mit dem LBV (Landesbund für Vogelschutz, mit Umweltstationen am Altmühlsee und Rothsee), den landwirtschaftlichen Betrieben (hier insbesondere Urlaub auf dem Bauernhof) und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurden bereits wichtige Grundlagen für den heutigen Stand gelegt.

Allein schon die Grundidee, durch das Wassermanagement, die Lebensbedingungen in den nach Norden entwässernden Flüssen die Lebensbedingungen langfristig zu sichern, ist Nachhaltigkeit pur.

Weiter ist das Fränkische Seenland durch die Mitwirkung in verschiedenen Regionalinitiativen (Hesselberg, ZIA, Original Regional, Naturpark Altmühltal) immer wieder mit diesen Themen betraut. Allen voran ist hier das Regionalbuffet Fränkisches Seenland zu nennen, wo sich Erzeuger, Direktvermarkter und Gastronomen bereits seit mehr als 15 Jahren zusammengeschlossen haben, um die Gäste UND die Einheimischen mit Informationen und Produkten zu versorgen. Hier gibt es zahlreiche Veranstaltungen im Jahresverlauf.

Welche Naturhighlights gibt es im Fränkischen Seenland, welchen Vorteil gibt es gegenüber anderen Reisezielen?

Das Fränkische Seenland ist durch seine Anlage mit der Vogelinsel, dem Wiesmeth, ein gut ausgestattetes Urlaubsgebiet, dazu kommen die Trockenrasen und Karstgebiete im Jura, sowie einige Highlights wie das Schnittlinger Loch, das Zigeunerloch, der Märzenbecherwald oder die verschiedenen Steinernen Rinnen.

Weiter wichtig ist die uneingeschränkte Zugänglichkeit der Seen, die unser Alleinstellungsmerkmal gegenüber bedeutsamen Seen in Oberbayern sind.

Sorge macht uns an dieser Stelle die sogenannte „Vermaisung“ der Landschaft im Altmühltal, wo das Attraktivitätspotential für Radtouristen deutlich gesunken ist. Das wiederum ist aber eine Chance auf andere Naturhighlights wie oben genannt hinzuweisen.

Welchen Stellenwert hat regionale Wertschöpfung?

Ich glaube hier ist noch viel Entwicklungspotential. Insbesondere die Verfügbarkeit der regionalen Produkte in der Fläche ist noch ausbaubar. Die Frage, die sich mir aber immer stellt, können die Betriebe der Region übehaupt ausreichend regionale Produkte liefern, um die Nachfrage zu Spitzenzeiten zu bedienen?

Bei der regionalen Wertschöpfung gibt es noch viel Entwicklungspotenzial.

Wenn dies nicht gelingt, wird die Akzeptanz bei den touristischen Betrieben schnell abnehmen. Grundsätzlich blickt der Gast bei der Vielzahl an Initiativen mittlerweile schon nicht mehr durch. Wir versuchen dies über die Kommunikationsschiene Magazin zu bündeln und einheitlicher darzustellen.

Das Fränkische Seenland sollte von Beginn für an einen „sanften“ Tourismus stehen. Was versteht man darunter, und wie schwierig ist es, diesen in Einklang mit den wirtschaftlichen Interessen der Tourismusbranche zu bringen?

Als das Fränkische Seenland gegründet wurde, war der sanfte Tourismus sozusagen der Mainstream, so wie es heute die Nachhaltigkeit ist. Viele haben damals darüber geredet, ohne eigentlich zu wissen was dahintersteckt.

Meines Erachtens nach gibt es keinen sanften Tourismus, es gibt nur einen sozial- und umweltverträglichen Tourismus wo versucht wird, die den Tourismus beeinflussenden Faktoren möglichst verträglich zu gestalten.

Im sozialfreundlichen Bereich haben die Planer vieles richtig gemacht, da sie von Anfang an die Bevölkerung mitgenommen haben und nicht einfach eine komplette Planung „verordnet“ haben. Im umweltverträglichen Bereich haben die Bemühungen des LBV auch dazu geführt, dass Naturschutzgebiete ausgewiesen wurden, die mittlerweile eine internationale Bedeutung haben (Anmerkung d. Red.: etwa die oben erwähnte Vogelinsel, die übrigens auch im Winter einen Besuch wert ist!).

Welche Aufgabe schreibt sich der Tourismusverband in Sachen Nachhaltigkeit zu? 

Der Tourismusverband ist hier der Impuls- und Ideengeber für die Region, weshalb ja auch die Fortschreibung des Leitbildes aus meiner Sicht notwenig ist. Beispielsweise haben wir damals im Leitbild die Qualität zu unserem Thema gemacht und damit die dringend notwendigen Investitionen bei den Zweckverbänden und dem gastronomischen Angebot thematisiert und ins Bewusstsein der Akteure gehoben. Service Q und Qualitätswanderwege und Radwege waren die konkreten Produkte, die daraus entstanden sind.

Ab 2021 werden wir unser Leitbild fortschreiben. Hier wird das Thema Nachhaltigkeit, wenn es nach mir geht, sicherlich einen großen Anteil haben.

Natürlich sind wir immer an gewisse Rahmenfaktoren gebunden. Beispielsweise können wir das Algenproblem an einigen Seen nicht selbst lösen, also versuchen wir über Anpassungsstrategien ganz konkret Alternativangebote außerhalb des Wassers zu entwickeln.


Ausflugstipps zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Fränkischen Seenland:

Winterschlaf auf der Vogelinsel am Altmühlsee?

NEU: Erlebnispfade im Fränkischen Seenland – Triesdorfer Baumpfad im Winter

Plogging: Sport machen und dabei die Umwelt schützen

„Traut’s euch!“ – Käse selber machen ist gar nicht so schwer

Erntezeit im Fränkischen Seenland: Zwetschgen, Äpfel und Kürbisse vom Direktvermarkter

Idyllisches Schwimmvergnügen: Naturfreibäder im Fränkischen Seenland

Kopfsprung ins Grün: Waldbaden im Fränkischen Seenland

Blumenmonat Mai: Besucht die schönsten Gärten im Fränkischen Seenland!

Müssen Vegetarier im Fränkischen Seenland verhungern?

Blütenteppich im Ettenstatter Märzenbecherwald

 

Diesen Artikel teilen:

Kommentar verfassen