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Der Hesselberg – das alpine Wanderparadies im Fränkischen Seenland

Da steht man nun, ganz oben auf der Kuppe des Hesselbergs, und lässt den Blick über die Landschaft schweifen. Über den Trockenrasen, die alpine Vegetation, den wilden Thymian, der violett blüht und herrlich durftet. Über dem Kopf schweben bunte Gleitschirme am Himmel. Und dann wundert man sich, dass man tatsächlich nur ein paar Fahrminuten vom Altmühlsee entfernt ist. Denn eine Wanderung auf dem Hesselberg fühlt sich an wie ein kleiner Ausflug in die Alpen. Kein Wunder, dass er als eines der schönsten Geotope Bayerns ausgezeichnet wurde.

Mit seinen knapp 690 Metern ist der Hesselberg bei Wassertrüdingen die höchste Erhebung Mittelfrankens. Fast schon wie eine Insel erhebt er sich von der umliegenden Landschaft. Von vielen Orten im Fränkischen Seenland aus kann man seine charakteristische Silhouette mit dem aufragenden Funkmast erkennen, etwa von der Weißenburger Wülzburg aus. Der Hesselberg hat eine Länge von etwa sechs Kilometern; auf nahezu ebenen Wegen kann man oben auf dem Plateau entlang spazieren und gigantische Weitblicke über das Fränkische Seenland auf der einen, und bis zu den „richtigen“ Alpen auf der anderen Seite genießen.

Die Geschichte des Hesselbergs

Der Hesselberg hat eine lange, teils bewegte Geschichte: Vor 200 Millionen Jahren erstreckte sich das Jurameer vom Nordseebecken bis weit in den Süden. Die Hesselbergregion befand sich zu dieser Zeit am Rande des Meeres. Bereits zur vorgeschichtlichen Zeit suchten erste Siedler den Hesselberg als Flucht- und Wohnstätte auf. Lange Zeit wurden diese Anlagen den Kelten zugeordnet. Unweit des Hesselbergs befand sich der Limes, die Außengrenze des Römischen Reichs, und das Reiterkastell in Ruffenhofen. In den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung und bis ins Mittelalter nutzten die Menschen die alten Wehranlage des Hesselbergs als Zufluchtsort und zur Verteidigung. Spärliche Reste von mittelalterlichen Burganlagen findet man auf der Ehinger Bergseite und dem Schlößleinsbuck auf der Röckinger Bergseite. Ein in der Geschichte des Berges wichtiges Datum war der 10. Juni 1803, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. im Rahmen eines Besuches seiner fränkischen Ländereien den Hesselberg erstieg. Noch heute gedenken die Gemeinden um den Hesselberg mit der Bergmesse (1. Julisonntag) an den Besuch Ihres Königs. Ab 1926 bis 1945 war der Hesselberg die Wiege des bayerischen Segelflugs. Im Nationalsozialismus machte der fränkische Gauleiter Julius Streicher den Hesselberg zum politischen Versammlungsort (Frankentage 1933 – 1939). Die hochfliegenden Pläne der Nazis wurden nie verwirklicht (Adolf-Hitler-Schule, Julius Streicher Mausoleum). Im Jahre 1951 wurde die Evangelische Landvolkshochschule gegründet. Jährlich am Pfingstmontag feiern die Christen ihren Kirchentag mit ca. 15.000 Besuchern. Quelle: Touristikverband Hesselberg, Hans Spatz, Ehingen

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Verschiedene Wanderwege

Wer auf dem Hesselberg wandern möchte, hat zwei Möglichkeiten: Man kann am Fuß des Berges parken und sich die Aussicht durch einen Aufstieg verdienen, zum Beispiel mit der 18 Kilometer langen Hesselberg-Tour von Wassertrüdingen aus. Die andere Möglichkeit ist, direkt der Straße zum Gipfel zu folgen und oben zu parken. Allerdings sind die Parkplätze begrenzt, und gerade an Tagen mit schönem Wanderwetter könnte es knapp werden.

Wer oben auf dem Hesselberg parkt, findet den knapp fünf Kilometer langen Gipfel-Rundwanderweg Hesselbergpfad von ganz allein. Er führt zu allen drei Gipfeln, zur sogenannten Osterwiese, und – bei passendem Wetter – zum Startpunkt der zahlreichen Paraglider, die die Thermik für ihren Gleitflug nutzen. Ein weiterer Wanderweg ist der Geologische Lehr- und Wanderpfad, der auf einer Strecke von drei Kilometern vom Wanderparkplatz Schieferbruch in Wittelshofen über den südwestlichen Bergrücken auf den Hesselberg führt. Oder man spaziert auf dem Rundwanderweg 1 auf halber Höhe gute fünf Kilometer um den Berg.

Wilder Thymian und Berghexen

Egal, welchen Wanderweg man einschlägt: Der Hesselberg überzeugt mit seiner ganz besonderen Flora und Fauna, mit Trockenrasenhängen und Wacholderheide. Durch die besondere Lage und Geologie können hier Pflanzen wie die Silberdistel, wilder Thymian, Enzian oder die Küchenschelle wachsen. Und es gibt sogar Berghexen hier. Berghexen? Oh ja. Das sind aber keine buckeligen alten Frauen mit Warze auf der Nase.. sondern eine seltene Schmetterlingsart.

Mein Tipp: Nicht nur wandern – sondern auch mal rasten. Packt euch eine Picknickdecke ein und genießt die warme Sonne, den würzigen Duft der Blumenwiese und das Summen der Bienen auf dem Hochplateau. Ein kleiner Kiosk am Parkplatz versorgt euch mit Getränken, Eis oder Snacks (Öffnungszeiten sind mir aber leider nicht bekannt).

Um den Hesselberg ranken sich übrigens auch zahlreiche Sagen. So soll es etwa einen Berggeist geben – ein Mädchen, das einst hier auf einer Burg lebte und bei einem Überfall durch die Hunnen ums Leben gekommen ist. Seitdem geistert sie mit einem Schlüsselbund in der Hand auf dem Berg umher. Oder die Geschichte von dem Jungen, der im Teufelsloch verschwand…



 

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